Nun ist es soweit: Kaum bin ich der NPO-Blogparade als Host-Blog beigetreten, wird mir schon heute die Ehre zuteil, eine eigene Frage in die Runde zu werfen….
… und auch meine Frage schließt an das derzeit sehr beliebte Thema rund um „Social Web“, „Social Media“ und „Web 2.0″ im Bereich der Nonprofit-Organisationen an, allerdings möchte ich die Gewichtung dieses Mal leicht verschieben.
Sehr häufig, so scheint es mir, werden bei neuen Techniken, Trends und dergleichen mehr zu schnell nur noch die positiven Seiten wahrgenommen – die „Downsides“ werden darüber leicht vergessen. Dabei meine ich allerdings gar nicht unbedingt die finanzielle Seite, also nicht den „Internet-Hype“ wie wir ihn in 2001 und sicher auch jetzt, im Zeitalter des Web 2.0/3.0 teilweise beobachten können.
Viel schwerwiegender scheint mir, dass qualitative Merkmale des Web 2.0 leicht durch die rosarote Brille betrachtet werden, was sicherlich auch mit den noch vergleichsweise (im Vergleich zu TV, EMail, Zeitung) geringen Erfahrungswerten mit dieser Medienlogik zusammenhängt.
Meine Frage also lautet: Welche Kehrseiten des Web 2.0 Hypes gilt es zu beachten, insbesondere für den Nonprofit-Sektor? (Dabei zählt nicht nur Marketing, sondern auch die Verwertung von z.B. kulturellen Inhalten im Netz etc.)
Ich freue mich über Eure zahlreichen Beiträge und bitte Euch, Eure Antworten per Trackback mit meinem Blog zu verlinken. Sollte dies einmal nicht funktionieren, könnt Ihr mich gerne per Mail kontaktieren und mir den Link manuell zusenden.
Ein paar Ideen vorab von meiner Seite, die ich zu späterem Zeitpunkt noch selbst ergänzen werde:
1) Im Nonprofit-Sektor gibt es viele Beispiele für Dienstleistungen, die durch den Einsatz von Social Media nicht nur nicht bereichert, sondern vielleicht sogar von ihrem eigentlich Zweck entfremdet werden. Ein Beispiel wären Bilder im Museum, die ihre eigentliche Bedeutung verlieren, wenn man diese plötzlich in „3D“ auf dem 12″ Display seines neuen Ultra-portablen Notebooks betrachtet. Auch die Expertise eines Museumsführers verlöre an Wert und Bedeutung, wenn die Bilder plötzlich durch Verschlagwortung und im „Wikipedia“-Modus durch die Besucher des Museums selbst beschrieben würden. Dabei macht vielleicht gerade dies den Wert einer solchen Institution aus….
2) Vielleicht neigt die Schwarmintelligenz, wie der Name auch dazu, zwar die massenfähigste Lösung, nicht aber unbedingt die kreativste Lösung zu finden – was passiert mit Nischenprodukten für die wenigen unter uns, die ein Thema interessiert? (Beispiel: Bibliothek 2.0 – finden wir dann dort nur noch Bestseller, die die Kunden selbst bestellt haben? Was passiert mit jenen Büchern, die nur wenige lesen, die aber ein kulturelles Erbe darstellen?)
3) Auch könnte sich die mitmenschliche Solidarität untereinander abschwächen, wenn wir für einen Protest oder eine Spende nur noch mit dem Zeigefinger klicken müssen, ohne uns aber selbst die Finger schmutzig zu machen (wie bei „Offline-Ehrenamtlichkeit“)…
4) In der Entwicklungshilfe könnte es durch die Bestimmung des Spendenziels durch den Spender im Westen (am besten noch per Mashup mit Google-Maps und Karte von betroffenen Regionen in Afrika…überspitzt formuliert) zu Verzerrungen kommen. Eigentlich sollten die Experten bestimmen, wie und wo das Geld eingesetzt wird – doch je mehr der Spender eingebunden wird, desto mehr könnte dies durchaus auch zu negativen Effekten führen. Die Tsunami-Katastrophe hat erste Beispiele geliefert – zweckgebundene Gelder werden noch heute für leer stehende Wohnungen in Indonesien verwendet, obwohl das Geld kurze Zeit später in Pakistan viel dringender benötigt worden wäre…
Ihr seht schon, wohin ich tendiere und was ich mit der Frage meine… insgesamt sehe ich neben den Vorteilen eben auch Risiken…ähnlich, wie viele nicht mehr ins Theater gehen, sondern die Blue-Ray-Disc im Heimkino bevorzugen, hat auch das Web 2.0 Schattenseiten, insbesondere auch für den Nonprofit-Bereich. Es liegt in unserer Verantwortung, diese auch zu beleuchten, um uns ein ausgewogenes Bild dieser Thematik zu ermöglichen.
Ich freue mich auf Eure Beiträge! Bitte sendet diese per Trackback bis zum 12.01.2009. Danke- und schöne Feiertage an alle! Was die NPO-Blogparade ist und wie sie funktioniert,
erfahrt Ihr hier, im Blog der NPO-Blogparade.

15 Kommentare
Dezember 16, 2008 um 8:01
[...] » SocialBlogger Ole Seidenberg ist Gastgeber der Dezember-Blogparade. Er fragt nach der Kehrseite des Web2.0-Hypes für den Nonprofit-Sektor wobei es ihm vor allem um die “qualitativen Merkmale” [...]
Dezember 16, 2008 um 10:24
[...] Welche Kehrseiten des Web 2.0 Hypes gilt es zu beachten, insbesondere für den Nonprofit-Sektor? [...]
Dezember 17, 2008 um 6:19
Hallo Ole Seidenberg, nette Frage und auch nicht zu leicht. Ich mache mit und schreibe auch schon …
foulder
Dezember 18, 2008 um 11:04
[...] Seidenberg schließt nun an dieser Stelle mit der nächsten Frage für die NPO-Blogparade an: Welche Kehrseiten des Web 2.0 Hypes gilt es zu beachten, insbesondere für den [...]
Dezember 18, 2008 um 1:39
So Post fertig
Januar 6, 2009 um 8:01
[...] der dritten Runde der NPO-Blogparade interessiert sich SocialBlogger Ole Seidenberg für die Kehrseite des Web2.0-Hypes. Worauf sollte [...]
Januar 6, 2009 um 9:31
[...] dem ich mich aufgrund meines wohlverdienten Weihnachtsurlaubs erst jetzt widme, fragt Ole Seidenberg nach den möglichen Kehrseiten des Web 2.0-Hypes für den Nonprofit-Sektor und sieht 4 mögliche [...]
Januar 7, 2009 um 8:07
[...] “Die wunderbare Welt…In Chiffren und Zeichen” betreibt. In seinem Beitrag zur NPO-Blogparade “Die Kehrseite des Web2.0-Hypes für den Nonprofit-Sektor” schreibt er, dass das Web2.0 [...]
Januar 7, 2009 um 3:37
[...] Rahmen einer so genannten Blogparade stellt sich Ole Seidenberg die Frage, was die Kehrseiten des Web2.0-Hypes sind, speziell für [...]
Januar 7, 2009 um 6:50
[...] Frage: Welche Kehrseiten des Web2.0 Hypes gilt es zu beachten, insbesondere für den Nonprofit-Sektor? [...]
Januar 12, 2009 um 9:04
[...] Ole Seidenberg, dem SocialBlogger , kommt die Frage für die dritte Runde der Nonprofit-Blogparade: "Welche Kehrseiten des Web [...]
Januar 12, 2009 um 2:10
[...] Chance ohne Risiko. Daher finde ich es sehr gut, dass Ole Seidenberg nun mit der Frage anschließt: Welche Kehrseiten des Web 2.0 Hypes gilt es zu beachten, insbesondere für den Nonprofit-Sektor? “sehr häufig, so scheint es mir, werden bei neuen Techniken, Trends und dergleichen mehr zu [...]
Januar 15, 2009 um 8:01
[...] für Non-Profit-Einrichtungen – wie könnte er aussehen?“) und Ole Seidenberg (”Die Kehrseite des Web 2.0 Hypes für den Nonprofit-Sektor“) bin nun ich dran und darf die Frage für den Monat Januar [...]
Januar 30, 2009 um 3:59
[...] für Non-Profit-Einrichtungen – wie könnte er aussehen?“) und Ole Seidenberg (”Die Kehrseite des Web 2.0 Hypes für den Nonprofit-Sektor“) hat nun Christian Henner Fehr vom Kulturmanagement Blog die Januar-Frage [...]
Februar 7, 2009 um 7:15
[...] für Non-Profit-Einrichtungen – wie könnte er aussehen?“) und Ole Seidenberg (”Die Kehrseite des Web 2.0 Hypes für den Nonprofit-Sektor“) hat Christian Henner Fehr die Januar-Frage [...]