
Ein eigener Briefkasten kann viel bedeuten
Wer hätte das gedacht? Auf den Tag (!!!) genau sieben Monate nach den ersten Spenden bekam Uwe gestern die Schlüssel zu seiner Wohnung im siebten Stock an der S-Bahn Haltestelle Rübenkamp in Barmbek-Nord. Alles, was wir bis hierhin durchlebt haben, wirkte gestern vormittag für einen kurzen Moment wie “pausiert” – und gleichzeitig in Zeitlupe an mir vorbeirauschend. Uwe war wieder einmal erstaunlich gelassen und ging höflich-charmant mit allen Anwesenden um: Dem Fotografen vom Hamburger Abendblatt, dem netten jungen Journalisten, unserem Vermittler von der SAGA, dem Hauswart und dem Pressesprecher… ja, es war eine halbwegs große Runde für einen riesen Moment in einer kleinen Wohnung.

Uwe's Ausblick gefällt auch meiner Schwester
“Bist du denn gar nicht aufgeregt?”, hatte meine Schwester Reenste, die für ein paar Tage zu Besuch war, vorher gefragt. “Ach weißt du, wie soll ich denn noch aufgeregt sein, wenn ich schon fast gar nicht geschlafen habe?”, entgegnete Uwe. Die eigentliche Arbeit, weiß Uwe, steht ihm jetzt erst bevor. Und damit meint er nicht die Wohnungseinrichtung, sondern das “sich einrichten”, sprich, die Gewöhnung an ein vollkommen anderes Leben. Uwe strahlt, wenn er von seinen Ideen spricht, wie er das kleine Zimmer einrichten möchte, wohin er einen Schreibtisch und wohin sein Bett stellen möchte. Dennoch geht er heute erst einmal wieder zurück auf die Straße… und schläft, bis er ein Bett hat, erstmal noch im Pik Ass.
“Ich werde trotz allem nie vergessen können, wo ich herkomme”, so Uwe entschlossen… und das wäre wohl nach 20 Jahren auch einfach zu viel verlangt. Jetzt hoffe ich sehr, dass Uwe die Decke nicht auf den Kopf fällt und er es schaffen kann, den Um- und Aufstieg in den siebten Stock auch wirklich zu genießen – und zu leben. Obdachlos ist er nun nicht mehr. Und eines ist sicher: Hier oben kann gewiss keiner mehr auf ihn herab schauen
