Monatsarchiv: Dezember 2008

NPO-Blogparade Nr. 3: Die Kehrseite des Web 2.0 Hypes für den Nonprofit-Sektor

Nun ist es soweit: Kaum bin ich der NPO-Blogparade als Host-Blog beigetreten, wird mir schon heute die Ehre zuteil, eine eigene Frage in die Runde zu werfen….
… und auch meine Frage schließt an das derzeit sehr beliebte Thema rund um „Social Web“, „Social Media“ und „Web 2.0“ im Bereich der Nonprofit-Organisationen an, allerdings möchte ich die Gewichtung dieses Mal leicht verschieben.

Sehr häufig, so scheint es mir, werden bei neuen Techniken, Trends und dergleichen mehr zu schnell nur noch die positiven Seiten wahrgenommen – die „Downsides“ werden darüber leicht vergessen. Dabei meine ich allerdings gar nicht unbedingt die finanzielle Seite, also nicht den „Internet-Hype“ wie wir ihn in 2001 und sicher auch jetzt, im Zeitalter des Web 2.0/3.0 teilweise beobachten können.

Viel schwerwiegender scheint mir, dass qualitative Merkmale des Web 2.0 leicht durch die rosarote Brille betrachtet werden, was sicherlich auch mit den noch vergleichsweise (im Vergleich zu TV, EMail, Zeitung) geringen Erfahrungswerten mit dieser Medienlogik zusammenhängt.

Meine Frage also lautet: Welche Kehrseiten des Web 2.0 Hypes gilt es zu beachten, insbesondere für den Nonprofit-Sektor? (Dabei zählt nicht nur Marketing, sondern auch die Verwertung von z.B. kulturellen Inhalten im Netz etc.)

Ich freue mich über Eure zahlreichen Beiträge und bitte Euch, Eure Antworten per Trackback mit meinem Blog zu verlinken. Sollte dies einmal nicht funktionieren, könnt Ihr mich gerne per Mail kontaktieren und mir den Link manuell zusenden.

Ein paar Ideen vorab von meiner Seite, die ich zu späterem Zeitpunkt noch selbst ergänzen werde:

1) Im Nonprofit-Sektor gibt es viele Beispiele für Dienstleistungen, die durch den Einsatz von Social Media nicht nur nicht bereichert, sondern vielleicht sogar von ihrem eigentlich Zweck entfremdet werden. Ein Beispiel wären Bilder im Museum, die ihre eigentliche Bedeutung verlieren, wenn man diese plötzlich in „3D“ auf dem 12″ Display seines neuen Ultra-portablen Notebooks betrachtet. Auch die Expertise eines Museumsführers verlöre an Wert und Bedeutung, wenn die Bilder plötzlich durch Verschlagwortung und im „Wikipedia“-Modus durch die Besucher des Museums selbst beschrieben würden. Dabei macht vielleicht gerade dies den Wert einer solchen Institution aus….

2) Vielleicht neigt die Schwarmintelligenz, wie der Name auch dazu, zwar die massenfähigste Lösung, nicht aber unbedingt die kreativste Lösung zu finden – was passiert mit Nischenprodukten für die wenigen unter uns, die ein Thema interessiert? (Beispiel: Bibliothek 2.0 – finden wir dann dort nur noch Bestseller, die die Kunden selbst bestellt haben? Was passiert mit jenen Büchern, die nur wenige lesen, die aber ein kulturelles Erbe darstellen?)

3) Auch könnte sich die mitmenschliche Solidarität untereinander abschwächen, wenn wir für einen Protest oder eine Spende nur noch mit dem Zeigefinger klicken müssen, ohne uns aber selbst die Finger schmutzig zu machen (wie bei „Offline-Ehrenamtlichkeit“)…

4) In der Entwicklungshilfe könnte es durch die Bestimmung des Spendenziels durch den Spender im Westen (am besten noch per Mashup mit Google-Maps und Karte von betroffenen Regionen in Afrika…überspitzt formuliert) zu Verzerrungen kommen. Eigentlich sollten die Experten bestimmen, wie und wo das Geld eingesetzt wird – doch je mehr der Spender eingebunden wird, desto mehr könnte dies durchaus auch zu negativen Effekten führen. Die Tsunami-Katastrophe hat erste Beispiele geliefert – zweckgebundene Gelder werden noch heute für leer stehende Wohnungen in Indonesien verwendet, obwohl das Geld kurze Zeit später in Pakistan viel dringender benötigt worden wäre…

Ihr seht schon, wohin ich tendiere und was ich mit der Frage meine… insgesamt sehe ich neben den Vorteilen eben auch Risiken…ähnlich, wie viele nicht mehr ins Theater gehen, sondern die Blue-Ray-Disc im Heimkino bevorzugen, hat auch das Web 2.0 Schattenseiten, insbesondere auch für den Nonprofit-Bereich. Es liegt in unserer Verantwortung, diese auch zu beleuchten, um uns ein ausgewogenes Bild dieser Thematik zu ermöglichen.

Ich freue mich auf Eure Beiträge! Bitte sendet diese per Trackback bis zum 12.01.2009. Danke- und schöne Feiertage an alle! Was die NPO-Blogparade ist und wie sie funktioniert,
erfahrt Ihr hier, im Blog der NPO-Blogparade.

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Tolle Anregung für virale NPO-Spots

Dieses Video entstand in einer New Yorker Werbeagentur nach Feierabend – auch eine schöne After-Work-Beschäftigung. Steve Bridger regte schon im Juli 2007 auf seinem Blog NFP2 m.E. zurecht an, sich als NPO daran ein Beispiel zu nehmen – und durch solche oder ähnliche Clips den Kontakt zum Spender / den Mitgliedern zu suchen und das Engagement der Mitarbeiter zu verdeutlichen.
Ich stimme ausdrücklich zu und meine: Das Thema ist aktuell wie nie. Wer sich selbst nicht zu ernst nimmt (gerade bei kleinen NGOs mit Wurzeln in sozialen Bewegungen) macht so ein „Wir-Gefühl“ auf Augenhöhe möglich…. und: Auch bei Spendenwerbung geht es längst nicht nur um den Spendenzweck, sondern auch um die Glaubwürdigkeit der werbenden Personen und Mitarbeiter, wie der Unicef-Skandal nur allzu deutlich gemacht hat.

Social Media Tools wie dieses Video jedenfalls bieten Gelegenheit, den Eindruck verkrusteter Strukturen von hierarchisch organisieten NPOs zu durchbrechen – wenn auch zunächst einmal nur in der Außenkommunikation. Wie und ob sich das auch in der organisationalen Realität zeigt, ist eine andere, mindestens genauso wichtige Frage. Weiterhin bieten sie eine interessante Alternative zu der Werbung mit Prominenten im Fundraising, die meiner Meinung nach oft die Distanz zur eigentlichen Organisation eher noch erhöht. Ein Prominenter steht zwar Pate für eine Idee – die Organisation und ihre Mitarbeiter dahinter bleiben aber oft im Dunkeln.

Dabei ist jedem Spender klar: Letztlich werden weder Angelina Jolie noch Ulli Wickert die Brunnen in Afrika konzeptionieren oder bauen, sondern Mitarbeiter der Organisation. Warum also sollte eben diese Tatsache nicht auch vertrauens- und spendenfördernd im Fundraising eingesetzt werden? Und nicht zuletzt: Neben der geteilten Begeisterung für die Sache könnten selbstverständlich auch die Schwierigkeiten im Alltagsgeschäft authentisch transportiert werden.

Vodpod videos no longer available.

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