Monatsarchiv: Januar 2009

Aktion Uwe: Uwe geht’s grad nicht so gut…

Heute habe ich Uwe – endlich – wieder getroffen. Ich war zugegebenermaßen schon etwas in Sorge, dass ich ihn möglicherweise nicht finden würde. Am Vormittag war ich bereits mit meinem Mitbewohner Freddie unterwegs, mitsamt dem Care-Paket von Daniel aus Berlin (lieben Dank). Leider haben wir Uwe aber an keinem seiner Plätze angetroffen… abends, kurz vor Abreise zu einer Geburtstagsfeier dann die freudige Überraschung: Uwe war an seinem Platz in der Spitaler Straße. Leider ging es Uwe heute nicht so gut. Er machte auch keinen sonderlich fitten Eindruck.

Selbst sagte Uwe, dass er vermutlich wieder seine „Übergangsgrippe“ kriegen würde, die meist zwischen Frühling und Winter bzw. Herbst und Winter zuschlägt. Nun denn… wir machten uns zunächst, wie üblich, auf den Weg zum nächstgelegenen Bäcker in der Wandelhalle im Hauptbahnhof. Dort gabs ein kleines Mandelhörnchen (Uwe ißt meist weichere Teile, da seine Zähne nicht mehr ganz komplett sind) und nen heißen Cappuccino.

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Uwe, so sagt er, fühlt sich in seiner Rolle derzeit leicht verunsichert. Die Aktion findet er gut und er will auch unbedingt dranbleiben, doch noch viel lieber würde er sofort loslegen. Es stört ihn regelrecht, dass er Euch nichts zurückgeben, nicht direkt los arbeiten kann im eigenen Nachtcafé, denn schon nach rund einer Woche sitzt er förmlich auf Kohlen und kommt sich in seiner passiven Warte-Rolle gefangen vor. Das ist – bitte nicht falsch verstehen – keinesfalls Kritik an Euch, sondern m.E. eher ein positives Zeichen: Uwe ist nun wirklich hinterher. Dass ihm warm genug ist und er genug zu essen, sowie zunächst ein Dach über dem Kopf hat, genügt ihm nicht mehr.

Er will jetzt selbst anpacken. Zum Glück konnte ich Uwe auch gute Nachrichten mitbringen und ihm mitteilen, dass sich einige Offline-Medien (Zeitungen etc.) bereits gemeldet und ihr Interesse an seiner Geschichte und seinen Plänen bekundet haben. Nun hoffe ich sehr, dass diese für weiteren Zuspruch sorgen können und Uwe wirklich bald gemeinsam mit Euch den nächsten Schritt vollziehen kann.

Wir dürfen gespannt sein…. unten sein neuestes Feedback, dieses Mal eben mit etwas angespannter Laune. Uwe ist eben ehrlich… und ich denke, das ist auch gut so.

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Lee Bryant – Benefits of Web 2.0

Headshift -Gründer Lee Bryant erklärt die sozialen Folgen des Web 2.0 für Institutionen. Herrlich. Einfach traumhaft, zuzuhören…. fühle mich gerade wie in der Schule: „Genau das wollte ich auch sagen!!“. Endlich jemand mit „Autorität“, der es auf den Punkt bringt. Unbedingt ansehen…

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Die Menschen sind auf der Straße! Vorstellung der Piratenpartei

Bei einer spontanen Begegnung mit der Piratenpartei ergab sich in der Hamburger Innenstadt dieses Interview – eine Einführung bzw. Vorstellung der Piratenpartei, die sich für Datenschutz und ein neues Copyright-Verständnis einsetzen. Selbst anschauen und ein Bild machen…

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Obdachlose Menschen in Hamburg – Studie der Stadt Hamburg

Für alle Leser und Unterstützer der „Aktion Uwe“, die das Thema Obdachlosigkeit in Hamburg näher interessiert, empfehle ich diese 110 Seiten (!!!) starke Studie.

Ich denke, an der schieren Anzahl der Seiten wird deutlich, wie komplex das Thema Obdachlosigkeit ist und, dass es keine Patentrezepte gibt. Auch kann das Argument, dass unser soziales Auffang-System in Deutschland so gut ist, dass niemand auf der Straße leben muss, offenbar nicht gelten.

Ich hoffe, dass diese Studie als Hintergrundinformation dienlich ist und den Dialog, insbesondere anlässlich Uwe’s Situation, weiter befördert.

Ole alias SocialBlogger


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Aktion Uwe macht große Fortschritte…

Liebe Leser,

gestern abend konnte ich Uwe noch einmal treffen, in der Nähe des Dammtor-Bahnhofes. Da ich danach verabredet war, hatte ich leider seine von Euch gestifteten Klamotten noch nicht dabei, sondern „nur“ etwas Geld, sowie einen Gutschein für ein Steakhouse. Über beides hat sich Uwe aber, wie man in den unten stehenden Videos unschwer erkennen kann, sehr gefreut. Von dem ersten Geld hatte sich Uwe bereits eine Jacke/Weste, sowie neue Schuhe gekauft, denn seine alten waren tatsächlich schon offen und ausgelatscht.

Heute (Donnerstag) haben wir uns dann gegen halb 11 in der Innenstadt getroffen und weitere Schritte besprochen. Außerdem konnte ich Uwe seine erste Kleidung übergeben. Darunter waren: Ein dicker Winterpulli mit Kapuze, eine Hose, eine Mütze (aus New York :), ein warmer Schal und ein robustes T-Shirt.

Weiterhin konnte ich Uwe von meinem Mitbewohner Freddie einen Rucksack übergeben. Sehr nützlich, gerade jetzt, da Uwe immer mehr kleine Dinge von Euch bekommt und diese mit sich rumtragen muss.

Leider ging es Uwe trotz all der Freude heute morgen allerdings nicht so gut. Zwar hat er die Nacht unter Dach verbracht, allerdings scheint seine HIV-Medikation derzeit noch nicht richtig eingestellt zu sein. Vielleicht, so Uwe, liegt es aber auch am Substitut für die Drogen, dem heftigen Polamedon. Uwe ist sich nicht sicher…aber seine Augen fallen immer wieder für einen Moment zu, vor Erschöpfung. Irgendwie steht er ein bißchen neben sich.

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Als ich dann erwähne, dass wir bald die nächsten Schritte in Sachen „Nacht-Café“ gehen können und ich bereits mit Unternehmensberatern für „social entrepreneurs“, d.h. für soziale Unternehmer, gesprochen habe, wacht Uwe plötzlich auf und ist ganz aufgeregt.

Auf einen Schlag berichtet er von den Gedanken, die er sich die letzten Tage gemacht hat. Dass 1-Euro-Jobber Jobs bekommen könnten im Café als Tresenkraft… dass er auch eine Duschgelegenheit schaffen möchte für die Besucher… und, dass nicht nur Obdachlose Zugang haben sollen, sondern auch alle anderen sozial benachteiligten Menschen.

Zur Einweihungsparty jedenfalls möchte er Euch alle einladen, alle seine Unterstützer aus dem Internet. Aber jetzt erstmal einen Schritt nach dem anderen…., denn Uwe ist auch klar: „Man o Man, da kommt noch ne Menge Arbeit auf mich zu. Aber jetzt will ich das durchziehen.“

Auch sonst hat sich Uwe Gedanken gemacht. Als nächste Anschaffung möchte er gerne ein kleines Notizbuch einplanen, um für Euch und sich und andere Obdachlose in ähnlicher Situation alle Gedanken und Gefühle niederzuschreiben, die er in dieser für ihn aufregenden Phase durchlebt. Tolle Idee, finde ich.

Das Handy, das ich ihm mitbringe, lehnt Uwe übrigens kurzerhand ab, jedenfalls vorerst: „Ach weißt du, ich bin doch eh immer hier.. und nacher klaut es nur jemand. Wir treffen uns schon. Und wenn dann diese Berater kommen, kannst du mir das immernoch geben, damit wir dann einen Termin abmachen können“.

Auch über meinen persönlichen Einsatz ist Uwe fast besorgt. „Ich will nicht, dass du nacher deine ganze Freizeit für mich opferst. Ich bin dir sowieso schon so dankbar, aber bitte mach nicht zu viel, pass auch auf dich selbst auf.“

Wenn ich ehrlich bin, stärkt das nur mein Vertrauen in Uwe. Er fragt auch nicht nach zu viel Geld auf einmal, bittet mich von sich aus, sein „Buchhalter“ zu sein und schlägt vor, dass wir ein kleines Büchlein anlegen, in dem beide gegenzeichnen mit Datum und Höhe des Betrages, damit wir nicht durcheinander kommen.

Uwe kauft Socken

Uwe sucht sich zwei Paar warme Socken aus.

Tolle Sache. Zum Abschluss kaufen wir dann – und das braucht Uwe wirklich neu, nicht gebraucht 🙂 – zwei Paar Socken bei C&A. Uwe ist zum ersten Mal seit langem wieder richtig selbst „shoppen“. An der Kasse kassieren wir ein paar schräge Blicke, aber das macht gar nichts. Uwe achtet noch darauf, den Kassenbong einzupacken: „Könnt ja sein, dass die sonst denken, ich hätte die gestohlen.“ Tja, Uwe weiß über Vorurteile bescheid – und auch, wie man sich dagegen absichert.

Es ist schön zu sehen, wie es vorwärts geht. Auch mit der Hamburger Tafel möchte Uwe bald sprechen, wegen seines Nacht-Cafés. Und neulich hat ihn die erste Betreuerin vom Pik Ass wohl schon nach seiner Internet-Aktion gefragt…. Also, Uwe, mach weiter so. Und liebe Leser: Danke für alles… ich hoffe, die Fortschrittsberichte zeigen Euch, dass Eure Hilfe ankommt!

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Ole alias SocialBlogger

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Aktion Uwe: Report & Feedback am 28.01.2009

Der Hamburger Obdachlose Uwe bedankt sich bei d…

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„Aktion Uwe“: Erste Antwort – Danke an alle Helfer!

Liebe Leser, liebe Unterstützer!

Nach bewegten 24 Stunden wird es wohl nun Zeit für ein Update in Sachen Uwe.
Ausgesprochenes Ziel ist es, Uwe langfristig von der Straße zu helfen und, wenn irgendwie machbar, seine Vision eines „Social Business“ von einem Nachtcafé für Obdachlose in die Tat umzusetzen.

Die Idee enstand spontan, gestern abend, auf der Straße. Soweit, so gut. Was daraus nun geworden ist, ist schon jetzt mehr als bemerkenswert und ich kann mich Uwe’s Worten nur anschließen: Ich bin ziemlich (positiv) überrascht. Und gerührt ebenso. Es ist einerseits spannend zu sehen, wer wie spendet und wie hilft. Dabei meine ich gar nicht einmal die Höhe des Betrages, nein, viel wichtiger: Wer schreibt lieber eine eMail, also nicht sichtbar für die Öffentlichkeit – wer kommentiert hier, wer meldet sich über Facebook… wer kommt auf welche Ideen und in welchem Kontext?

Uwe jedenfalls ist hin und weg. Ich habe ihn heute auf meinem Weg zur Uni kurz aufgesucht und ihm Eure Kommentare, sowie einen Anteil des Geldes für die nächste Übernachtung und das erste Set Hinz und Kunzt mitgebracht. Das tollste für Uwe waren tatsächlich Eure Kommentare. Klar, auch das Geld. Aber die persönlichen Nachrichten und die Ermutigung, die aus Euren Kommentaren gesprochen hat, haben ihn fast noch mehr ungläubig sein lassen.

Den ausgedruckten Bogen vor Augen ist er nur ganz hastig darüber hinweg geflogen..und man merkte: Das Lesen ist nach so vielen Jahren auf der Straße ein bißchen eingerostet. Aber die Freude und die Emotionen nicht und nach ein paar Sätzen ging es dann auch wieder ganz flüssig. Noch ist Uwe skeptisch. Er kann es einfach nicht glauben, denn auf der Straße selbst hat er so viel Zuspruch nie erhalten. „Da will dich keiner sehen, da bist du eine Nummer“. Hier bekommt er nun hoffentlich ein Gesicht, einen Namen. Und damit Uwe nun direkt mit Euch kommunizieren kann, gibt es ab sofort kurze Videobotschaften, hier, von heute, sein erstes Feedback an Euch:

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Das Ergebnis, so kann ich nach rund einem Tag sagen, ist auf jeden Fall beeindruckend. Moment, ich zähle kurz…. ratter, ratter…alles in allem hat Uwe’s Aktion nun von 27 Menschen direktes Feedback erhalten! Gespendet wurden insgesamt rund 80 Euro von insgesamt 10 Spendern, die durchschnittliche Spende liegt also bei eindrucksvollen 8 Euro, die höchste bei 20 Euro von einer Dame, die mich noch nicht einmal persönlich kennt. Ich weiß, das klingt hier sehr trocken nach Statistik, aber hat jemand von Euch schonmal einem Obdachlosen auf der Straße spontan 8 Euro in die Hand gedrückt?

Auch sehr wichtig, und sehr toll: Zusätzlich zu den Spenden hat Uwe schon jetzt ca. 5 warme Westen/Pullover und zwei Paar Schuhe zugesagt bekommen, sowie einen Essensgutschein für ein bekanntes Steakhouse im Wert von 15 Euro! Also auch hier wieder: Was für tolle und sogar originelle Sachspenden! Übrigens benötigt er dringend noch Unterwäsche und Socken, sowie eine warme Hose. Wer also z.B. Kontakte zu einem der großen Kleidungswarenhäuser hat oder sonstwie einen Gutschein schicken kann, das wäre ganz toll. Denn Unterwäsche möchte man dann ja doch nicht unbedingt gebraucht weitergeben 🙂

Weiterhin hat sich ein kleines, aber feines Plattenlabel gemeldet und bekundet Interesse an einer Kooperation…wer weiß? Mehr kann ich noch nicht verraten…

Nun geht es bald an die nächsten Schritte. Heute abend war ich beim Neujahrsempfang des Hanse Hub, einer Drehscheibe für sozial orientierte Unternehmer, sprich, so genannte „Social Entrepreneurs“. Wenn Uwe sein Nachtcafé zum Laufen bringen möchte, braucht er mit Sicherheit professionelle Unterstützung, d.h. auch einen Businessplan usw. usf.  Schon an diesem Abend konnte ich einige wertvolle Tipps und wertvolle Kontakte für Uwe sammeln, unter anderem von der Hamburger Tafel. Wer weiß, vielleicht kommt was dabei heraus?…

Bleibt dran, ich bleib’s auch!

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Danke, danke, danke,

Euer Ole alias SocialBlogger

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