Kein Licht für Afrika: Hürden gut gemeinter Entwicklungshilfe

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In der Zeit bzw. deren Online-Ausgabe findet man derzeit einen interessanten Artikel zum Scheitern eines CSR-Engagements bzw. eines Public-Private-Partnerships der Firma Osram mit BoP-Ansatz in Kenia.

Meines Erachtens ist das Beispiel allerdings keineswegs entmutigend, sondern zeigt vielmehr, wie sehr Unternehmen mit durchaus guten Absichten noch lernen müssen, regionale und lokale Kontexte zu verstehen bzw. schlichtweg: zuzuhören.

Im Grunde ist diese Problematik eines der Kernthemen der Entwicklungshilfe, nicht nur im Bereich des Bottom of the Pyramid-Businesses, sondern grundsätzlich: Zunächst gilt es, die Traditionen, kulturell und historisch bedingten Glaubenssätze, Settings und Gewohnheiten zu verstehen. Erst dann kann man helfen. Und dabei geht es nicht darum, den anderen auszuhorchen, um letztlich doch sein eigenes Weltbild und Verständnis von Wirtschaftlichkeit und Entwicklung zu erzwingen. In allererster Linie können wir eine Menge darüber lernen, wie sich, auch bei uns, Meinungen und Entscheidungsprämissen herausbilden und darüber, dass unsere Sicht der Dinge mitnichten die einzig „richtige“ ist, die es zu transportieren und in Afrika zu transferieren gilt.

Die Energiesparlampe mit solargeladenem Akku ist zweifelsfrei durch die Brille der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes eine sinnvolle Idee – die im Zeit-Artikel angedeuteten sozialen und „weichen“ Faktoren, also bspw. die Beziehungen zum Benzin-Händler oder das Tauschen des Fischfangs gegen andere Naturalien, lassen sich aber nicht ausblenden und gehören zu einer ganzheitlichen Kalkulation und Planung, insbesondere in der Entwicklungshilfe, dazu.

Mich erinnert das Ganze sehr an meine Erfahrung in Sierra Leone und das Beispiel des Baseline-Surveys zum Thema „Water & Sanitation“, als es darum ging, herauszufinden, wie Menschen in Slums in Freetown über Durchfall und Seife denken. Einige gaben auf die Frage der Ursache von Durchfall tatsächlich an, dieser käme durch „Gottes Zorn“. Dass diesen Menschen zunächst mit einem Stück Seife nicht geholfen ist, da eine grundsätzlich andere Einstellung zum Thema herrscht, zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur Marktforschung und Trockenrechnungen, sondern vor allen Dingen kulturanthropologisch und soziologisch fundierte Erhebungen VOR dem Einsatz neuer Technologien und augenscheinlicher Patentlösungen durchzuführen.
Ein spannendes Feld, auf dem sich sicher noch eine Menge tun wird… mich würde vor allem interessieren, inwieweit diese Erkenntnis innerhalb der Nachhaltigkeits-Abteilung von Osram für ein langfristiges Umdenken und entsprechende Lernprozesse im Sinne organisationalen Lernens führt.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter BoP Business, CSR

Eine Antwort zu “Kein Licht für Afrika: Hürden gut gemeinter Entwicklungshilfe

  1. Ich fand den Artikel in der Zeit auch sehr interessant, und auch Deine Kommentare dazu. Bist Du oft in Sierra Leone?

    Wir haben auf vorwärts.de öfters auch Themen aus dem Ausland, zum Beispiel diesen Artikel über Ghana.
    http://www.vorwaerts.de/artikel/afrikas-letzter-leuchtturm-strahlt-weiter

    Ole, wenn Du Interesse hast, ab und zu gern etwas zum Thema NGOs, Web 2.0 und Afrika bei uns zu bloggen, bist Du herzlich eingeladen!

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