Obdachlose Menschen in Hamburg – Studie der Stadt Hamburg

Für alle Leser und Unterstützer der „Aktion Uwe“, die das Thema Obdachlosigkeit in Hamburg näher interessiert, empfehle ich diese 110 Seiten (!!!) starke Studie.

Ich denke, an der schieren Anzahl der Seiten wird deutlich, wie komplex das Thema Obdachlosigkeit ist und, dass es keine Patentrezepte gibt. Auch kann das Argument, dass unser soziales Auffang-System in Deutschland so gut ist, dass niemand auf der Straße leben muss, offenbar nicht gelten.

Ich hoffe, dass diese Studie als Hintergrundinformation dienlich ist und den Dialog, insbesondere anlässlich Uwe’s Situation, weiter befördert.

Ole alias SocialBlogger


6 Kommentare

Eingeordnet unter Obdachlosigkeit

6 Antworten zu “Obdachlose Menschen in Hamburg – Studie der Stadt Hamburg

  1. Andrej

    Und wem das zu „soziologisch“ ist, dem sei dieses Buch empfohlen:
    Waltraud Kokot (Hg.): Kultur der Obdachlosigkeit in der Hamburger Innenstadt.
    Lines- Hamburger Schriften zur ethnologischen Stadtforschung, Heft 1. Frühling 2004
    (hab ich als download nicht gefunden, gibt es aber z.B. im Buchshop des Museums der Arbeit oder wahrscheinlich noch über „Hinz u. Kunzt“)
    Ein (englischsprachiger) Artikel zum Thema ist:
    Martin Gruber: Street Magazine, Social Welfare, Soup Kitchen: The Income Strategies of Urban Homeless People in Hamburg/Germany
    in: Ethnoscripts Heft 1 (4/2006), als pdf unter
    http://www.uni-hamburg.de/ethnologie/es8_1.html

  2. stefan

    Hallo,

    ich habe die Studie zwar nur überliegen können, finde aber die Kernaussagen schon interessant. Nach meinem Verständnis gibt es zwar Übernachtungsmöglichkeiten, jedoch werden diese von knapp 50% der Obdachlosen/Drogenabhängigen nicht genutzt. Die zentrale Begründung dafür ist die Angst vor Gewalt und Diebstahl, in der auch die in der Studie weiter aufgelisteten Punkte münden.

    So gut diese Aktion auch ist, sie ist nunmal nur begrenzt durchzuführen. So denke ich persönlich, dass irgendwo Grenzen bei Uwe’s Plan das Nachtcafe zu eröffnen auftreten werden. Auch werden dadurch alle weiteren Obdachlosen, die ggfs. ähnliche oder schlimmere Schicksale als Uwe erleben mussten ausgegrenzt.
    In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, wie Uwe denn die o. g. Probleme wie Gewalt/Diebstahl zu lösen vermag, die ja sicherlich am Erfolg/Misserfolg seines Projektes maßgeblichen Einfluß haben werden.

    Abschließend denke ich daher, dass die Kräfte und Energien eher auf die Eindämmung von Gewalt und Diebstahl in den Übernachtungsangeboten als auf vereinzelte Projekte die langfristig nicht viel an der Situation ändern werden.

    Für konstruktive Kritik bin ich offen.
    Danke, Stefan

  3. Lieber Stefan,

    ein Anfang für konstruktive Kritik und Transparenz wäre sicherlich auch, wenn du ruhig deine echte eMail-Adresse angeben würdest🙂 Das ist natürlich dir überlassen, aber ich finde, dass du deine Meinung hier nicht verstecken brauchst, denn deine Kritik-Punkte sind ja vollkommen berechtigt.

    Ich versuche mal, darauf einzugehen: Ich denke, dass solche Probleme wie das der Obdachlosigkeit immer multidimensional und polykausal sind. Auf gut Deutsch: Es gibt viele Faktoren, die sich untereinander beeinflussen und in der Dynamik des Handelns verschieden stark aufeinander Einfluss nehmen. Dabei sind oft Drittvariablen und Störfaktoren am Werk, deren Wirkung wir gar nicht erahnen, wenn wir loslegen und meinen, ein identifiziertes Problem nun einfach mal lösen zu können.

    Dies gilt für meine Aktion mit Uwe, mit Sicherheit. Dies gilt aber auch für alle anderen Programme und Aktionen, sowie auch deine Vorschläge, dieses Problem zu beheben. Ein Beispiel: Ich fokussiere mich nun auf eine internet-zentrierte Aktion, auf Uwe’s Nacht-Café und darauf, dass ein einzelner Mensch zunächst mal von der Straße kommt, um andere zu inspirieren, ihnen in seinem Nacht-Café Raum zu bieten und Menschen im Netz zu zeigen, dass es offline und direkt vor der Haustür jede Menge Probleme und jede Menge zu tun gibt.

    Das hat Vorteile, aber auch jede Menge Nachteile & Schattenseiten. Einerseits erreiche ich so mehr Menschen als offline. Außerdem fühlen sich die Spender direkt mit Uwe’s Aktion verbunden und spenden nicht an eine anonyme, große Organisation, die irgendwie für alle da ist, bei der man aber nie weiß, was GENAU mit dem Geld eigentlich gefördert wird.

    Nachteil, ganz klar: Auch ich kann nicht einschätzen, wie das ganze Projekt verlaufen wird. Ich bin darüber hinaus kein ausgebildeter Sozialpädagoge oder Streetworker. Das können andere sicher besser. Aber: Uwe vertraut nunmal mir… und er ist schon eine ganze Weile auf der Straße, hat schon mit vielen Ämtern und Pädagogen zu tun gehabt. Da mag das was heißen. Vielleicht auch nicht.

    Eines jedenfalls steht für mich fest: Hinterher sind wir immer schlauer. Aber einen Versuch ist es allemal wert.

    Was deinen Vorschlag angeht, die Energien auf andere Probleme zu richten: Auch das, lieber Stefan, ist nur ein kleiner Teil des gesamten Problem-Komplexes. Und selbstverständlich ist auch dieser Teil wichtig. Aber wenn du nur Gewalt eindämmst (also die Symptome bekämpfst), hast du noch lange nicht die Ursache behandelt.

    Das ist etwa so wie beim Zahnarzt: Du kannst die Löcher stopfen und Prophylaxe machen oder eben gleich weniger Süßkram essen. Beides ist wichtig und zum gegebenen Zeitpunkt hat beides seine Berechtigung.

    Selbstverständlich wird es auch bei Uwe’s Plan Grenzen geben. Worauf willst du hinaus? Ich kenne kein Projekt mit idealistischem Hintergrund, bei dem es keine Grenzen gibt, lieber Stefan. Wichtig ist, sich nicht an den Grenzen festzubeißen, sondern die Möglichkeiten zu sehen, die bislang noch unerfüllt brach liegen.

    Auch die Eindämmung von Gewalt hat Grenzen, dennoch ist sie wichtig. Und auch unsere Gier (siehe Finanzkrise) und unser Wachstum als Volkswirtschaften haben irgendwo grenzen. Deshalb wollen wir trotzdem immer wieder Geld verdienen und vorwärts kommen als Menschen, jedenfalls die meisten von uns. Entwicklungshilfe ist ein weiteres Beispiel: Sollten die NGOs Kinder in Burma oder Somalia verhungern lassen, nur, weil ihre Wirkung Grenzen hat?…

    Kurzum: Ich denke, diese Idee verdient eine Chance. Das schließt nicht aus, dass es auch andere, vielleicht gar bessere Ideen gibt. Den Austausch von guten und weniger geeigneten Ideen nennt man dann Dialog…und dadurch können wir uns gesamtgesellschaftlich weiterentwickeln. Wenn nur einer an Uwe’s Aktion denkt, wenn er das nächste Mal an einem Obdachlosen vorbei läuft, ist schon viel erreicht. Dabei kann er gerne auch an die Probleme denken, die ich mir mit der Aktion eingehandelt habe. Auch das ist ein Lerneffekt, der irgendwann jemandem nützt, um es noch besser zu machen – und darüber würden wir uns doch beide freuen, oder, Stefan?

    Soweit erst einmal von mir….
    Würde mich freuen, wenn du dich ruhig mit Namen und eMail outest. Musst aber nicht🙂 Fühl dich nicht unter Druck gesetzt.

    Liebe Grüße
    Ole

  4. stefan

    Hallo Ole,

    erstmal danke für deine Antwort. Ich strukturiere das ganze mal ein wenig, auch da ich gerade nicht viel Zeit habe, aber dennoch kurz antworten möchte.

    1)
    Mit Preisgabe von Informationen im Internet bin ich immer eher vorsichtig. Man kann sie leidern nicht so wirklich zurückziehen oder vernichten. Daher auch keine Emailadresse. Unabhängig davon habe ich mir auch mal kurz dein PiratenPartei Video angeschaut. Die Ideen sind gut und klingen auf den ersten Augenblick schlüssig, aber leider wird überhaupt kein Konzept der Verbesserung gegeben. (Das musste ich jetzt mal so kurz anmerken😉 )

    2)
    Wenn wirklich die Ursachen der Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit behoben werden sollen, können wir uns damit Jahrzehnte beschäftigen. Zur Bekämpfung der Ursachen müssten Obdachlose resozialisiert und integriert werden. Das mag vielleicht bei Einzelfällen (z. B. Uwe) geschehen, aber auch in Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklung (80-20 Gesellschaft, Informationsgesellschaft) haben Menschen mit fehlender Bildung und/oder Spezialisierung kaum noch eine Chance.

    Ich denke aber, dass wenn Gewalt eingedämmt wird (wie sei jetzt mal dahingestellt) wäre bzgl. der Obdachlosigkeit schon ein großer Schritt getan, jedenfalls der Studie zu Folge. Da die Obdachlosen ja dieses als Problem sehen, wäre Ihnen damit vlt. schon geholfen.

    3)
    Zu den Grenzen der Aktion Uwe: Man muss Grenzen definitiv beachten. Vergleiche mit NGO’s hinken hier, m. E. nach, alleine aus dem Grund da Uwe auf Dritte angewiesen ist, die mitunter auch Gewinnstreben haben oder anderen Gesetzen unterliegen. Der Vermieter seines Nachtcafes ist nur einer, die Behörden mit Sicherheitsauflagen ein anderer, etc… Da ich das ganze Projekt, wobei du mir sicherlich zustimmen wirst, langfristig und vor Allem nachhaltig betrachte, sollte man im Vorfeld auch realistische (!) Annahmen treffen. Uwe’s Ziel ist es ja, wenn ich ihn richtig verstanden habe, sich irgendwann selber finanzieren zu können. Ein Nachtcafe welches nach 3 Monaten geschlossen wird, hilft sicherlich keinem weiter und ist aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht gerade sinnvoll.

    4)
    Als abschließender Punkt: Es ist sicherlich schön zu sehen, dass es durch die eigenen Spenden jemandem besser geht. Allerdigs stellt sich bei mir dann schnell die Frage, ob ich diese direkte Bestätigung denn brauche. Meiner Meinung nach (und da wird es Gegenpositionen geben) erkauft man sich damit eine Art Seelenfrieden. Wenn man wirklich sozial gerecht leben will, dürfte man sein halbes Leben umstellen. Als Bsp: Es kann sich ja einer mal hinterfragen, wo die konsumierten Produkte aus dem Supermarkt überhaupt herkommen und wie sie hergestellt werden.
    Natürlich halte ich Spenden jetzt definitiv nicht für verwerflich. Doch sollte dieses kontrolliert und mit dem größtmögichen Erfolg geschehen und dort sehe ich große Organisationen im Vorteil. Mit größeren Summen und auch mit der richtigen Verbindung zur Politik, Wirtschaft und Forschung können so skaleneffekte besser ausgenutzt werden und Gelder gezielter für eine größere Anzahl von Menschen eingestzt werden.

    Zu meinen Punkten mag es sicherlich Gegenargumente geben, allerdings versuche ich solche Sachverhalte so gut es geht objektiv zu betrachten. Übertriebene Euphorie hat noch keinem geholfen.
    Damit sei ausdrücklich NICHT gemeint, dass ich diese Aktion unnütz finde. Sie hat sicherlich ihre positiven Aspekte.

  5. Lieber Stefan,

    ich glaube, wir drehen uns etwas im Kreis in unserer Argumentationsschleife. Du sagst ja selbst, dass jede Aktion ihre Grenzen, Vor- und Nachteile hat.
    Insofern ist dem Gesagten nichts hinzuzufügen, was ich hier erschöpfend auf dem Blog schaffen könnte. Dafür müssten wir mal telefonieren oder uns treffen, fürchte ich, denn um dieses Thema in seiner Komplexität und Gesamtheit schriftlich zu erschlagen, fehlt mir gerade die Zeit, da ich hauptberuflich an meiner Abschlussarbeit schreibe🙂
    Aber auch Gewalt, Stefan, ist etwas, was man nicht einfach so bekämpfen kann. Gewalt hat selbst Ursachen…es gibt einen ganzen Bereich der Gewaltforschung in der Psychologie und Soziologie..bei den Juristen,…. das für sich genommen füllt hunderte von Büchern. Also das eine gegen das andere zu stellen, ist schlichtweg nicht sehr hilfreich.

    Was NGOs angeht: Klar haben die mehr Kontakte und potentiell mehr Druck. Aber auch mehr Verwaltungsstrukturen, mehr Verwaltungskosten, mehr Vorstände und Beiräte, eine Satzung und dergleichen mehr… sprich: Bei Uwe landen 100% der Spenden bei Uwe. Die Energie, die ich und ihr investiert, landet bei ihm, nicht irgendwo bei 100 Angestellten. Mit Organisationen wie der Arge und der Diakonie arbeitet Uwe seit rund 7 Jahren. Weiter gekommen ist er dadurch nicht. Und das ist auch klar, denn ein MItarbeiter dort kann sich auch nicht jedem Obdachlosen einzeln so intensiv annehmen, da er eben für sehr viele gleichzeitig zuständig ist…

    So, Stefan, aber jetzt muss ich mal wieder ran an meine Arbeit.
    Wenn du noch zweifelst, dass wir das hier gemeinsam angehen können und sollten, dann meld dich gern mal telefonisch direkt bei mir, dann treffen wir uns gern auf einen Café und diskutieren das en detail🙂 Dafür stehe ich immer bereit🙂
    Wir können das dann auch gerne aufzeichnen und dem gesamten Blog zur Verfügung stellen🙂

    Herzliche Grüße
    Ole

  6. Für uns Outdoorer beginnt mit dem Anbruch der kalten Jahreszeit die Wintersportsaison für die wir uns mit warmer Kleidung eindecken. Für andere – wie z.B. die ca. 1300 Obdachlosen in der Hansestadt Hamburg – beginnt der Kampf ums Überleben. Das ehrenamtliche Team vom Mitternachtsbus der Diakonie Hamburg benötigt wie jedes Jahr Schlafsäcke und warme Kleidung um die Menschen zu versorgen, die auch bei Temperaturen unter Null Grad die Nächte im Freien verbringen. Wie man dort helfen kann erfährt man im Outdoor News Blog unter http://outdoor-news.blog.de/2009/11/23/mitternachtsbus-versorgt-obdachlose-hamburg-essen-schlafsaecken-warmer-kleidung-7441018/. Über eine ebenfalls sehr gute Aktion in Baden-Württemberg berichtet das Freiluft-Blog unter http://www.freiluft-blog.de/2009/11/schlafsack-spenden-aktion/.

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