Monatsarchiv: Februar 2009

Ein bewegender Tag: Uwe auf Spiegel Online

dsc_3350Tja, wo fange ich an? Was soll ich noch sagen? Um ehrlich zu sein: Euer Feedback hat mir an diesem Tag schlichtweg die Sprache verschlagen – und nicht nur mir, nein, auch Uwe.

Der Tag ging bereits gut los: Mit einem stressigen, intensiven, aber auch sehr guten Fernsehdreh – in Kürze werde ich genaueres berichten, wenn ich weiß, wann gesendet wird… Los ging es heute bereits um halb neun, gedreht wurde bis fast 16 Uhr nachmittags.

Uwe und ich durften unsere Geschichte gemeinsam nochmal aus verschiedenen Blickwinkeln wiedergeben – aber: Es gab auch sehr wichtige, neue Schritte an diesem Tag.

Unter anderem hat Uwe auf dem zuständigen Amt in der „Kurt-Schuhmacher-Allee“ seinen Dringlichkeitsschein beantragt und sofort ausgestellt bekommen. Damit kann Uwe nun sehr viel leichter an eine Sozial-Wohnung kommen, als dies zuvor möglich war. Wer von Euch (z.B. Studenten) den §5-Schein noch kennen sollte: Der Dringlichkeitsschein von Uwe liegt jetzt noch zwei Stufen darüber. Na mal sehen, ich hoffe, es hilft! Jedenfalls hat uns der durchaus sehr nette Herr von der Behörte zugesagt, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird, um Uwe schnell in Wohnraum zu vermitteln.

Eine Lösung in diesem Rahmen wäre z.B., dass Uwe zunächst in eine Art „Übergangslösung“ zieht. Dort wird dann Uwe nicht direkt in den Mietvertrag eingetragen, sondern erst nach knapp einem Jahr, wenn alles gut gegangen ist. Während diesen Jahres wird Uwe ca. einmal pro Woche oder einmal alle zwei Wochen besucht. So hat Uwe weiterhin einen Ansprechpartner. Wir werden sehen, welchen Weg Uwe nun einschlägt bzw. welche Möglichkeiten sich nun auch tatsächlich eröffnen.

Bezeichnend war, dass trotz Fernsehen im Hintergrund der Berater der Behörde tatsächlich selbst zugeben musste, dass es einfach schlicht viel zu wenig Wohnraum in Hamburg für bedürftige Menschen wie Uwe gibt. Ergebnis: Selbst die wenigen, die sich aufraffen, um diesen Schritt zur Beantragung des Scheines zu schaffen, warten unter Umständen noch einmal ein halbes Jahr oder länger, bis sie dann tatsächlich vermittelt werden.. oder auch nicht. Denn letztlich hängt es vom Vermieter ab. Und Uwe fällt in Behördensprache wohl bereits unter „schwer vermittelbar“. Das alles hat mir schon deutlich zu denken gegeben. Allerdings sind wir dennoch beide froh, dass zumindest dieser Schritt nun hinter Uwe liegt. Nun heißt es: Daumen drücken.

Nach einer Mittagspause ohne Filmcrew und mich hat Uwe dann einen Existenzgründungs-Berater getroffen: Meinen Freund Florian.

Florian arbeitet bei einer Existenzgründungs-Coching-Organisation, die sich unter anderem auch speziell um ALG II Empfänger kümmert, die versuchen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Wir trafen uns – die Umstände machten es nicht anders möglich – im Maritim Hotel am Hauptbahnhof. Hierbei muss ich erwähnen: Uns war ein Raum für diesen Termin „weggebrochen“ und so musste ich einen Tag vorher (Mittwoch) noch schnell einen passenden Ort für ein erstes Gespräch finden.

Der Chef vom Maritim Hotel am Bahnhof war dann glücklicherweise so hilfsbereit, uns spontan einen „Business-Raum“ bereit zu stellen. Das mag zwar jetzt sehr nach „überpompös“ und „CSR-Maßnahme“ klingen, aber ganz ehrlich: Der gute Mann war reichlich überrascht, als ich ihn einfach fragte, ob wir in seinem 5-Sterne-Laden Uwe filmen dürfen 🙂 Insofern bin ich tatsächlich dankbar, dass er so spontan geholfen hat, denn das hatte ich hier am wenigsten erwartet. Und auch das Personal war dann heute beim Dreh sehr spontan und hilfsbereit, wenngleich der Kontrast zwischen luxoriöser Einrichtung und Uwe’s Bekleidung sich dennoch kaum übersehen lies. Aber das macht ja auch gar nichts weiter – Uwe selbst jedenfalls trug diese neue Situation und Umgebung mit Fassung und konzentrierte sich auf das Gespräch mit Florian.

Auch dieses Gespräch lief – meines Erachtens – sogar besser als erwartet. Uwe notierte eifrig die Tipps und Hilfestellungen von Florian in seinem neuen Notizbuch und konnte recht schnell selbst die Zusammenhänge der „Businessplanung“ verstehen. Bei einem Anruf am Abend jedenfalls gab mir Florian das Feedback: Uwe ist weit mehr zuzutrauen, als man auf den ersten Blick denken mag.

Den Beleg dafür musste ich dann ausgerechnet beim gemeinsamen Dönerteller heute abend am eigenen Leibe erfahren 🙂 Uwe und ich planten gerade gemeinsam, wie wir die nächsten Tage mit den Spenden bzw. seinem „Taschengeld“ umgehen, damit es sinnvoll aufgeteilt ist, da erforderte die Situation die Substraktion zweier Zahlen, nämlich des Geldes, das Uwe von mir ausgezahlt bekommen sollte von jenem, dass er als Guthaben noch hat.

Mir fiel auf, dass ich das schriftliche Subtrahieren komplett verlernt hatte… Uwe hingegen brauchte wenige Sekunden und voilà: Das Ergebnis stand dort. Gastro-Erfahrung eben. Uwe musste nur schmunzeln – und konnte sich den Kommentar nicht verkneifen: „Siehste, du kannst auch noch jede Menge von mir lernen, Ole“ 🙂
Recht hat er.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen, da war doch noch was:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,609662,00.html

Ich glaube, das muss ich nicht weiter kommentieren… nur so viel: Uwe konnte die Zahl der Besucher auf „seiner“ Seite kaum fassen und malte sich eine eigene „Aktienkurve“ der Aktion Uwe in sein Heft: Heute gab es rund 5000 Besucher auf Aktion Uwe, dank Spiegel Online. Uwe weiß, dass es nicht ewig so weiter gehen kann und auch nicht wird. Aber er ist derzeit wirklich in guter Verfassung…. und er kümmert sich, jeden Tag. Er macht Schritte, mal größer, mal kleiner. Mal zwei vor, dann einen zurück.

Und das ist gut so.

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Uwe ist jetzt unter Dach!

Heute war wieder ein langer und anstrengender Tag – deshalb nur ganz kurz an dieser Stelle ein Update mit erfreulichen Nachrichten: Uwe hat sich nun aufgerafft und sich Montag selbstständig um eine Unterkunft gekümmert. Er kann ab Donnerstag im Pik Ass schlafen. Dort ist er auch postalisch gemeldet – und damit ist Uwe nun zunächst nicht mehr obdachlos, dennoch aber Wohnungsloser auf der Suche nach einer festen Bleibe.

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Weiterhin hat sich Uwe inzwischen das Internet genauer angesehen. „Eigentlich alles gar nicht so schwer. Da muss man hier clicken und da clicken – und dann läuft das alles fast wie von allein.“ So sein O-Ton gestern abend…

Heute hat mir Uwe dann seinen Freund Rainer vorgestellt. Rainer hat gemeinsam mit Uwe rund sieben Jahre „Platte gemacht“ – die beiden sind wie Brüder, aber Rainer hat sich bislang nicht vorgetraut, mit mir zu sprechen. Rainer ist gelernter Tischler und hat Jahre lang Pizzerien und andere Gastro-Betriebe beliefert, deren Maschinen repariert und gewartet und den Einkauf komplett organisiert. Na, wer sagt’s denn? Obdachloser Nummer 2 ist mit an Board – Uwe’s bester Freund von der Straße möchte diesen auch gerne beim Nachtcafé unterstützen. Und das schöne dabei ist: das Fünkchen Hoffnung, dass Uwe durch Eure online-Unterstützung erhält, trägt er offenbar weiter in seine offline-Kreise.

Uwe mit seinem besten Freund Rainer

Uwe mit seinem besten Freund Rainer

Er ist motiviert und lebendig, jeden Tag scheint Uwe selbst mehr an seine eigene Idee, an seine Bedeutung als Mensch zu glauben. Für sich und für andere. Er sprudelt vor Ideen und Tatendrang und fast jedes Mal hat er eine neue, kleine, aber gute Nachricht für mich. Und er kümmert sich, sowohl wegen des anstehenden Fernseh-Termin, als auch um sich: Heute hat er Cremes gekauft für seine wunden Stellen. „Ich möchte ja im Fernsehen gut aussehen und nicht so zerfranst rüberkommen.“ Man darf gespannt sein.

Sein Freund Rainer jedenfalls glaubt an Uwe und würde auch kostenlos für das Café arbeiten. Beim Thailänder habe ich heute eine kleine Suppe geschlürft, während die beiden bei Kakao und Sprite in Uwe’s Taschenkalender die ersten Pläne ausheckten, was es alles geben sollte – und wie teuer es sein müsste. Und auch andere Einrichtungen refinanzieren sich übrigens..so Uwe. Beim Drop-In kostet ein Café 40 Cent – und eine Cola im Nachtcafé muss dann eben ca. 50 Cent kosten..das alles hat Uwe schon genau ausgerechnet, basierend auf einer Kiste mit 12 Flaschen à 1,5 Litern. Na denn… ich bin guten Mutes und freue mich, denn: Donnerstag schon kommt der nächste große Schritt für Uwe:

1) Eine Bleibe im Pik Ass.

2) Der Fernsehtermin.. mehr Infos bald hier…

3) eine erste Art „Unternehmensberatung“ von einem befreundeten Existenz-Gründungs-Coach, der ihm helfen will, seine Ideen in „Form“ zu bringen….

Ich bin selbst – ganz ehrlich – nun etwas aufgeregt. Aber mein Vertrauen in die Sache bleibt. Und jedes Lächeln, jede Idee, jedes „Danke“ und jedes „Hey, so machen wir’s“ von Uwe erinnert mich daran, dass es richtig ist.

Heute, wir sitzen gerade vor seinem Kalender, kam noch etwas schriftliches dazu, was ich gerne mit Euch teilen möchte: Uwe hat vor ziemlich genau zwei Wochen notiert „Erste SMS an Ole verschickt.“… und jeder Kalendertag trägt eine Eintragung „TG 20“, „TG 39“ usw…. er zählt also die Tage seit Ihr Ihn kennt…die Tage, seit Uwe nicht mehr draußen geschlafen hat…und die Ereignisse, wie seine erste SMS.

Ich hoffe, er wird noch viele solche Ereignisse und Fortschritte notieren können. Mit Euch, dank Euch.

Euer Ole @ SocialBlogger.de

www.aktion-uwe.de

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