Uwe ist wieder auf der Höhe. Es geht voran!

Liebe Leser, nun ist es schon wieder ein paar Tage her, dass ich von Uwe berichtet habe.
Dafür möchte ich zunächst einmal um Verständnis bitten. Es kamen schon erste besorgte eMails von Uwe’s Fans, die mich fragten, was denn passiert sei und, ob mir die Sache nun doch über den Kopf wachse. Danke dafür und danke, dass Ihr dran bleibt, trotz aller Hürden. Grundsätzlich muss ich an dieser Stelle betonen, dass ich natürlich auch neben Uwe noch ein Leben habe, meine Abschlussarbeit schreiben und einen weiteren Nebenjob bewältigen muss. Insofern verzeiht, wenn ein Blogbeitrag mal einen Tag länger auf sich warten lässt🙂

Uwe vor der Schneekugel

Uwe vor der Schneekugel

Nun aber ist es wirklich mal wieder Zeit für ein Update, denn das habt Ihr Euch als Unterstützer natürlich auch verdient. Das Wichtigste vorweg: Uwe geht es wieder deutlich besser. Am vergangenen Dienstag, den 3.2., hatte Uwe seinen ersten offiziellen Pressetermin mit einer hiesigen Tageszeitung. Wenn der Artikel erschienen ist, werde ich auch den Namen nennen, zunächst aber nicht🙂 Jedenfalls war Uwe sehr angetan von der guten Arbeit des Journalisten, der ihn sehr sorgsam und feinfühlig interviewte und eben nichts aus ihm herauszupressen versuchte, wovon Uwe nicht auch von sich aus erzählen wollte.

Seine Reaktion war zunächst ähnlich wie beim letzten Blogeintrag berichtet: Uwe fühlt sich nicht wohl mit dem Gedanken, dass er derzeit nur die Hand aufhält, aber selbst nicht aktiv werden kann. Als dann aber der liebe Redakteur ihn darauf hinwies, dass er gerade Öffentlichkeitsarbeit für sein eigenes Projekt mache und, dass das auch sonst ein anerkannter Beruf sei, leuchteten Uwe die Augen. Inzwischen freundet er sich also damit an, dass es ein bisschen dauert, bis so ein ganzes Café auf die Beine gestellt werden kann und wir zunächst etwas Vorlaufzeit brauchen werden.

Von Dienstag auf Mittwoch war ich dann in Berlin, bei der Berliner Socialbar und habe auch dort von Uwe erzählt. Genauso berichtete ich auch bei einem Seminar zum Thema NGOs in der Uni von Uwes Aktion. Beides gab gutes Feedback und vor allem konkrete Hilfsangebote:

Eine Kommilitonin, deren Namen ich hier nicht weiter nennen möchte, hat viele Jahre ehrenamtlich in der Drogen- und Obdachlosenhilfe gearbeitet und mailte mir noch am selben Tag sämtliche ihrer Ideen und Kontakte, die Uwe helfen könnten, eine Wohnung zu organisieren. Klasse! Auch gab sie mir schnell Einblick, welche Probleme auf Uwe noch zukommen könnten, denn sein Substitut ist offenbar eine ziemlich heftige Chemie-Bombe, die eben auch dazu führen kann, dass es ihm phasenweise mal richtig schlecht geht…alles Dinge, die ich in der Detailgetreue noch nicht wusste. Danke dafür.

Nach der Berlinreise habe ich Uwe dann am Donnerstag vormittag wieder getroffen, also gestern, am 5.2. Uwe strahlte regelrecht und war gut drauf. Vor seinem T-Mobile Shop, an dem er in der Regel einen seiner Sammelplätze hat, gab es eine Art lebensgroße Schneekugel zu bewundern, mit dem T-Mobile Kunden anlocken will – man kann diese besteigen und sich darin fotografieren lassen.

Uwe hatte dies kurzerhand getan, obwohl er weder zur potentiellen Zielgruppe, noch zur Gruppe der Kinder gehörte – und drückte mir nun als Begrüßungsgeschenk und Dankeschön zwei Fotos in die Hand. Eines in der Scheekugel, eines davor… siehe Bilder🙂 Ich habe mich natürlich sehr gefreut und war wirklich gerührt. Uwe’s O-Ton: „Ich kann dir ja sonst nichts schenken, da ich nichts habe, was du nicht sowieso schon hättest. Aber diese Fotos möchte ich dir als Dankeschön und Andenken geben.“ Danke, Uwe!

-)

Uwe in der Schneekugel🙂

Auch ganz konkret geht es weiter. Ich werde die nächsten Tagen mit sämtlichen Stellen sprechen und sehen, was man tun kann, um Uwe ein dauerhaftes Dach über dem Kopf zu besorgen. Uwe sagt selbst: „Dann könnte ich Geld sparen, denn endlich könnte ich wieder Essen lagern. Das geht ja auf der Straße so gar nicht, immer muss man teuer Essen gehen und meistens noch ungesund.“

Auch bzgl. des PikAss etc. habe ich Uwe einmal konkret angesprochen und gefragt, warum er diese Möglichkeiten bislang nicht dauerhaft nutzt. Die Antwort war ziemlich deutlich und nachvollziehbar: Dort gibt es Kleiderläuse, es wird ziemlich viel Alkohol getrunken und die anderen Nutzer sind oft noch schwer krank (und ansteckend), z.B. mit TBC – ein weiteres Problem, so Uwe, sei außerdem die Gewalt.

Insgesamt versucht er seit einigen Monaten, sich von „solchen Leuten“ fernzuhalten, um eben nicht mehr in die Abwärtsspirale mit hineingezogen zu werden, sondern den Weg hinaus zu schaffen. Gute Einstellung, finde ich. Es fällt zwar schwer und manche fragen, wo er denn bleibe, aber er hält bislang gut durch. Wichtig ist deshalb auch für Uwe, dass er nicht isoliert ist, sondern „neue“, „andere“ Freunde findet, die ihn nicht wieder runterziehen.

Auch bezüglich des Nachtcafés gibt es konkretere Ideen. Der nächste Schritt: Wir brauchen jemanden, der Ahnung von Business-Plänen hat und so etwas einmal mit Uwe besprechen und durchgehen kann. Wie viel Startkapital brauchen wir, was kosten Räume, was Gastro, wie teuer wäre Personal, z.B. auf 1-Euro-Basis. Wer hier jemanden kennt, bitte melden!

Weiterhin sagte Uwe noch einmal explizit: Auch er selbst ist gern bereit, einen 1-Euro-Job anzunehmen, sobald er einen Wohnsitz hat, um vor allem auch zu zeigen, dass er sich nicht zu schade ist. Er hält 1-Euro-Jobs zwar grundsätzlich nicht für den richtigen Ansatz, denkt aber, dass es ihn erstmal wieder in Arbeit bringen würde und möchte außerdem zeigen, dass er bereit ist, sich einzusetzen und nicht länger rumsetzen möchte. Guter Punkt.

Was das Startkapital für das Nachtcafé anbetrifft: Derzeit könnten wir uns mit dem Nachtcafé bei Hamburg-Anstiften bewerben, denn dort gibt es für Projekte wie das unsere 10.000 Euro zu gewinnen. Einziger Haken: Wir müssen anerkanntermaßen gemeinnützig sein. Das heißt: Wir brauchen entweder einen Verein oder eine Stiftung oder dergleichen, die vom Finanzamt offiziell als gemeinnützig anerkannt ist. Nur so können wir uns bewerben.

Daher die Bitte: Wer von Euch kennt einen Verein, der als Träger bzw. offizieller Rahmen des Nachtcafé-Projektes in Zusammenarbeit mit Uwe diese Bewerbung einreichen würde?

Soweit erstmal von mir… Uwe macht jetzt ein paar Tage Pause und erholt sich von den vielen Eindrücken. Für ihn geht immernoch alles sehr sehr schnell, er ist geradezu erschlagen von der Vielfalt der Rückmeldungen und kann sein Glück bislang kaum fassen. Daher unser Deal: Wir sehen uns erst Montag abend wieder, also am 9.2. Bis dahin hat er nun genug Geld angespart, um unter Dach und mit Essen versorgt zu sein. Dieses Mal gibt es nur Fotos, keine Videobotschaft, denn Uwe brauchte mal Ruhe von der Kamera🙂
Insbesondere, da er ja bald in der Zeitung steht… und eines darf man nicht vergessen: es geht hier immernoch um Uwe, nicht um uns, nicht um mich und schon gar nicht darum, ihn medial mit aller Macht auszuschlachten. Daher freue ich mich, dass Uwe das so offen anspricht. In seinem „Kurzurlaub“ bis Montag wird er sich auch einen Besuch in Hagenbecks Tierpark gönnen, denn darauf hat er sich schon lange gefreut… ich freue mich und bin gespannt und zuversichtlich auf baldige, weitere Schritte…

Euer Ole alias Socialblogger

dankt Euch allen für die Mithilfe.
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PS: Unter Navigationspunkt „Aktion-Uwe“ findet Ihr in Kürze eine Auflistung aller bisherigen Spender und Förderer mit Vornamen und erstem Buchstaben des Nachnamens. Wer sich hier nicht lesen möchte, bitte kurze mail an mail (at) socialblogger.de – danke!

4 Kommentare

Eingeordnet unter Aktion Uwe, Obdachlosigkeit

4 Antworten zu “Uwe ist wieder auf der Höhe. Es geht voran!

  1. Ich kenne leider keinen Verein, der da passen könnte, aber:
    So ein Verein ist doch schnell gegründet, oder? Und finanzieller Aufwand ist es auch nicht, so einen Verein zu gründen…

    Uwe braucht doch für sein Cafe dann auch irgendeine Rechtsform, vielleicht könnte man ja jetzt schon einen gemeinnützigen Verein gründen, der dann gleich das Cafe betreibt? Und Uwe wird von diesem Verein einfach als Geschäftsführer des Cafes oder so angestellt…?

  2. … Vielleicht hilft auch der Zeitungsartikel einen Verein zu finden, der Uwe unterstützen kann. Langfristig währe das sicher eine gute Lösung, weil in größeren Vereinen, die Uwe vielleicht unterstützen, einige Leute sitzen, die sich mit vielerlei Dingen auskennen, an die jetzt noch nicht mal zu denken ist.

  3. Vielen dank, Ihr beiden!
    Werde Eure Hilfen und Ideen beherzigen!

    Liebe Grüße
    Ole

  4. Stefan

    Hallo,

    klasse Projekt! Ich kenne das Projekt Mitternachtsbus der Diakonie. Dort gibt es so viele Ehrenamtliche Helfer, das derzeit alle die helfen wollen auf eine Warteliste gesetzt werden. Ich könnte dir mal die Mailadresse von Frau Lösch geben, die das Projekt dort betreut.
    Gruß Stefan

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