Uwe in der TAZ und auf Wohnungssuche! Bestandsaufnahme nach 2 Wochen!

Liebe Leser,

weiter geht’s… wieder einmal gibt es viel zu berichten, denn gleich nach meiner Heimkehr aus Oldenburg traf ich Uwe am Montag, den 09.02. noch abends am Dammtor Bahnhof. Da ich leider Verspätung und Uwe noch kein Handy hatte, musste ich Uwe ausnahmsweise sogar „über seinen Kopf hinweg“ überraschen. Dabei ging es um einen netten Redakteur von der TAZ, den Uwe bereits kannte. Allerdings fehlte noch ein geeignetes Foto für den Artikel, der nun heute, am 11.02. erschienen ist: http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/ein-obdach-im-internet/

Nun denn, Uwe war zunächst etwas überrascht, warum ihn der Herr von der TAZ nochmal aufsuchen würde, schließlich hatte er ja mich erwartet. Aber immerhin: Mein Zug hatte runde 40 Minuten Verspätung und so musste Uwe wenigstens nicht warten, ohne, dass ihm jemand bescheid sagen konnte. Gleichzeitig mit mir traf dann auch der Fotograf ein. Uwe fragte nochmal kurz und bestimmt, worum es nun ginge.

Glücklicherweise waren beide Mitarbeiter der TAZ sehr feinfülig, wofür ich mich hier nochmal ausdrücklich bedanken möchte. Uwe ist zwar wirklich nicht aus Zucker und für seine Situation meines Erachtens nach auch nicht sonderlich empfindlich, aber das sensible Vertrauensverhältnis zu mir und dieser Aktion im Internet will ich natürlich trotzdem nach Möglichkeit nicht stören, so schwer das mit der notwendigen Medienaufmerksamkeit auch zu vereinbaren sein mag…

HANNES VON DER FECHT

Foto: HANNES VON DER FECHT

Kurz nach den klärenden Worten saßen Uwe und ich dann auch schon in einem der vielen Cafés im Dammtor Bahnhof und unterhielten uns über das lange Wochenende, an dem wir uns nun ausnahmsweise mal nicht gesehen hatten.

Dabei erzählte mir Uwe ganz aufgeregt von seinem Besuch in Hagenbecks Tierpark – und dabei besonders von dem neuen Aquarium. Uwe hat seinen Besuch dort sichtlich genossen – mit eifriger Gestik erzählte er mir von allen Tierarten, von den Besonderheitn des Beckens (Süß und Salzwassertiere finden dort Platz) und davon, dass er Samstag auch einfach einmal in Ruhe ausschlafen konnte.

Ich freue mich darüber, dass Uwe nun nach der ersten Aufregung und Anspannung über das Tempo und die vielen Überraschungen dieser Aktion etwas zur Ruhe kommen und etwas Kraft tanken konnte. Er wirkt sichtlich ausgeruht – und: Er hat wieder einmal selbst jede Menge Ideen und Gedanken mitgebracht.

Unter anderem beichtet mir Uwe, dass das mit der Wohnungssuche schon zu einem gewissen Teil bislang auch an ihm gescheitert sei. Ich schlucke kurz und erinnere mich an die Kritik, die ich auf diesem Blog seit Beginn bereits gelesen habe. Kernaussage: In Deutschland müsse doch niemand auf der Straße leben – warum also sei Uwe noch dort? Nun, da ist bestimmt ein Körnchen Wahrheit dran, jedenfalls platzte Uwe gestern damit heraus, dass es vor allem neben den Ämtern auch sein eigener innerer Schweinehund sei, der ihn bislang daran gehindert habe, eingie Dinge aus eigener Kraft in Angriff nehmen zu können.

Ich kenne diesen inneren Schweinehund nur zu gut, schließlich ist es nur wenige Monate her, dass ich selbst in einer tiefen Depression gesteckt habe und nicht weiter wusste. Wie einen dieser „Schweinehund“ packen kann, wenn man erst auf der Straße lebt, vermag ich mir jedoch nicht auszumalen. Das wäre wohl anmaßend. Wie dem auch sei: Uwe scheint mit jedem weiteren Tag, mit jeder weiteren Spende und jedem weiteren Zeichen von Fortschritt mehr und mehr eigene Willenskraft zu verspüren – und den unbedingten Willen, seine Situation selbst in die Hand zu nehmen.

Er plant also, noch diese Woche die „Sache mit der Wohnung“ in die Hand zu nehmen und aktiv anzugehen. Eigentlich, so sagt er, müsste er mit HIV nicht nur einen Paragraph 5 -Schein, sondern sogar einen mit Dringlichkeitsstufe 1 bekommen. Es sieht also ganz gut aus für ihn, soweit ich das bislang beurteilen kann. Und das ist wichtig, denn nur mit einem Dach über dem Kopf, einem Bad und einem Kühlschrank in der eigenen Küche kann Uwe auch seine Aktion mit dem Nachtcafé wirklich planen.

Und auch hier gibt es deutliche Fortschritte, denn der erste Großspender für das Nachtcafé hat sich angekündigt, sobald wir eine Spendenquittung ausstellen können. Eine Summe möchte ich noch nicht nennen, aber es ist zumindest mehr, als wir bislang an kleineren Einzelspenden zur Initialzündung für Uwe sammeln konnten🙂

Weiterhin wollen wir nun bald mit der Vereinsgründung voranschreiten, damit Uwe sich bei Hamburg Anstiften bewerben kann. Und auch der Michael Stich Stiftung werde ich einen Brief schreiben, denn schließlich engagiert sich Stich im Bereich HIV/Aids und wirbt damit, dass Schweigen zu dieem Thema zu Ausgrenzung führt. Da Uwe insbesondere auch durch seine HIV-Erkrankung ausgegrenzt ist (z.B. von einem regulären Job als Koch in der Gastronomie), sollte das Grund Genug für Stich sein, sich für Uwes Projekt zu interessieren. Mal abgesehen von meiner Tennis-Vergangenheit, bei der ich mit Stich schon zu tun hatte – vielleicht hilft das ja ein wenig🙂

Auch hat sich ein befreundeter Kommilitone gemeldet, der seit einiger Zeit bei einer Existenzgründungs-Beratung arbeitet und viel Erfahrung mit Business-Plänen und dem Coachen von arbeitslosen Existenzgründern gesammelt hat. Er wird Uwe in ca. 2 Wochen bei einem Erstgespräch kennenlernen – und dann sehen wir mal, wie gut es funktioniert mit den konkreten Schritten. Uwe und ich sind jedenfalls guten Mutes… und haben auch schon ein paar Namensideen. Aber dazu bald mehr, ein bißchen spannend muss es ja noch bleiben…

Bis hierhin nochmals: An alle Spender, Unterstützer, Förderer (und seien es auch „nur“ mentale Förderer): Ein herzliches Dankeschön. Alle Eure Spenden sind angekommen bei Uwe – und er macht wirklich sichtbare Fortschritte, körperlich, aber vor allem auch seelisch. Es tut ihm Gut, dass Ihr da seid. Und, dass er spürt, als Mensch gesehen zu werden – von Euch.

Danke.

btn_donatecc_lg

Ole alias SocialBlogger

4 Kommentare

Eingeordnet unter Aktion Uwe, Fundraising, Obdachlosigkeit

4 Antworten zu “Uwe in der TAZ und auf Wohnungssuche! Bestandsaufnahme nach 2 Wochen!

  1. Sonneja

    Hallo Ole!
    Habe mir gerade mal wieder die Zeit genommen, den Blog (und den TAZ-Artikel) zu lesen! Gut gut gut! Es freut ich sehr zu sehen, wie die Aktion Uwe voran kommt! Mir tut es leid, dass ich keine zündenden Ideen zum Thema sich-selbststänig-machen beitragen kann. Aber das ist ja das tolle am Internet: Es vernetzt so viele verschiedene Leute, von denen ein paar wiederum Ahnung davon haben.
    Mach weiter so!!!! Und auch Dir scheint die ganze Aktion gut zu tun!?! gut gut gut! : )
    Ganz liebe Grüße!
    Sonneja

  2. Liebe Sonneja😉
    Danke für dein Feedback, wie gewohnt, zur späten Stunde🙂
    Ich bin auch ganz guter Hoffnung, dass sich jemand finden wird, der bei den nächsten, notwendigen Schritten zu helfen weiß.
    Aber auch deine Rückmeldung hilft Uwe und mir, weiterzumachen. In der Tat ist es nicht immer einfach, aber im Moment alles noch im grünen Bereich – und ja, es tut gut, das kann man durchaus auch so stehen lassen.
    Danke dir dafür!
    Ganz liebe Grüße zurück,
    Ole

  3. In den letzten Wochen im Stress (StartUp Phase netzwirken geht weiter voran🙂 ), darum wenig Zeit zur Interaktivität.
    Schön zu lesen, wie es weiter geht und sich langsam das Engagemnt auszahlt!

    Ein Tipp zur Zuwendungsbescheinigung (vorm. Spendenquittung) für den „Großspender)- wenn Du Kontakt zu einer Stiftung (oder e.V, gGmbh o. ä. gemeinnützigen Träger) hast (Stich?), lass die das Geld annehmen und Quittung austellen. Dürfen die, wenn sie „Aktion Uwe“ als Projekt bei sich auflisten. Bis Ihr selber einen Verein o. ä. habt wird es dauern – gerade mit dem Freistelungsbescheid und der Berechtigung Quittungen auszustellen (Ämter & Co.😦 )
    Soweit, bis bald
    Jochen

  4. Nane

    Huhu Ole!!!
    Was ist denn nun aus Uwe geworden?Konnte er seine Idee umsetzen?Geht es ihm gut?
    Würde mich über eine Antwort freuen!!!
    LG nane

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s