Ein spannender Tag: Wir gehen es an!

Liebe Leser,

heute bzw. inzwischen gestern (also sprich am Donnerstag) ist wieder eine Menge passiert, wovon ich Euch noch vor dem Gang in’s Bett gerne berichten möchte…

Zunächst begann, wie bereits kurz angeschnitten, der Tag mit einem Besuch bei Hinz und Kunzt, dem Hamburger Obdachlosenmagazin. Hinz und Kunzt ist bereits seit rund 15 Jahren in Hamburg eine feste Größe – kein Hamburger kennt dieses Magazin nicht. Neben der Produktion und dem Verkauf von Obdachlosenzeitungen bietet Hinz und Kunzt für viele obdachlose Menschen in Hamburg auch eine erste Anlaufstelle, um Beratung in Anspruch zu nehmen – oder auch, um sich einfach nur mit anderen „Betroffenen“ auszutauschen.

Wie dem auch sei: Hinz und Kunzt war vor kurzem auf die Aktion Uwe aufmerksam geworden und hatte sich telefonisch bei mir gemeldet, um über Uwe und seine Aktion einen Artikel schreiben zu können.
Da wir uns ohnehin gerade auf der Suche nach einem offiziellen Träger bzw. einem Kooperationspartner (vorzugsweise mit viel Erfahrung) für die konkrete Umsetzung der nächsten wichtigen Schritte für Uwe befinden, habe ich allerdings gleich in Verbindung mit dem Interview-Termin um ein weiteres Gespräch gebeten.

Dieses sollte nun heute stattfinden – und auch Uwe war mit von der Partie. Es ging also ganz konkret darum, ob und wie Hinz und Kunzt uns unterstützen kann bei der Umsetzung der Idee. Relativ schnell wurde deutlich, dass Uwe’s Idee bzw. sein Projekt als einzelnes Projekt so nicht bevorzugt von H&K gefördert werden kann, da es Hinz und Kunzt (nachvollziehbarerweise) ein Anliegen ist, niemanden zu bevorzugen oder andere zu benachteiligen.

Dies ist und bleibt ein wichtiger Punkt bei unserer gemeinsamen Aktion, liebe Spender. Ein Punkt, den ich auch nicht unter den Tisch kehren möchte. Es geht hier vorwiegend um Uwe. Selbstverständlich will und wird Uwe alles versuchen, um mit seinem Nachtcafé auch andere Obdachlose zu unterstützen. Nichtsdestotrotz haben natürlich auch andere Wohnungslose tolle Ideen wie Uwe – und vielleicht im Moment nicht das „Glück“, von so tollen Menschen wie Euch mit großzügigen Spenden unterstützt zu werden. Schwieriger Punkt… auf der anderen Seite: Besser anfangen, als gar nichts machen…und weiterhin: Der Weg zu einem Café wird ein möglicherweise sehr steiniger, langsamer Prozess sein. Wichtig dabei ist: Uwe darf dabei nicht „auf der Strecke“ bleiben. Es geht hier um ihn, nachrangig darum, ein Café auf die Beine zu stellen. Sollte aus diesem Projekt auf dem Weg zum Ziel eine ganz neue Idee entstehen, die sich eventuell besser eignet, um Uwe und anderen zu helfen, so werden wir auch dies nicht ausschließen, denn primär ist die Hilfe wichtig. Auch, wenn diese Vision des Nachtcafés unser Antreiber und Uwe’s Motivation ist.

Quint Essenz des Gesprächs mit Hinz und Kunzt war jedenfalls die folgende: Eine offizielle Trägerschaft für Uwe’s Nachtcafé Idee in diesem Sinne ist zwar nicht möglich, ein steter Support und Austausch zu den nötigen weiteren Schritten aber in jedem Fall. So hat uns der Sozialarbeiter Stefan von H&K bereits sehr wertvolle Tipps zur weiteren Wohnungssuche auf den Weg gegeben und mit mir einige sehr elementare Details seiner langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Obdachlosen besprochen. Ich gebe zu: Ich lerne jeden Tag immens viel dazu – und doch bin ich mir der Tatsache bewusst, dass ich vergleichsweise grün hinter den Ohren bin. Vielleicht, so denke ich, ist das aber auch genau die Portion Naivität und Gutglauben, die notwendig ist, um eine solche Aktion gemeinsam mit Uwe durchzuziehen und ihr eine Chance zu geben.

Die Idee jedenfalls wird sein, dass wir uns während der nächsten Schritte stets intensiv mit Partnern und erfahrenen „Mentoren“ wie Hinz und Kunzt abgleichen und so sicherstellen, dass wir nicht in’s Blaue hinein starten bzw. Fehler machen, die andere schon längst erfahren und zu umgehen gelernt haben.

Grundsätzlich aber gilt auch für Hinz und Kunzt: Die Idee des Nachtcafés von Uwe kommt gut an. Auch hier herrschte einhellig die Meinung: Es wird schon lange Zeit für exakt so eine Einrichtung für Obdachlose. Uwe scheint also tatsächlich einen sehr guten Riecher gehabt zu haben.

Der zweite Teil des Tages gestaltete sich dann noch aufregender als bereits das Treffen mit Hinz und Kunzt, denn: Uwe wurde heute richtig aktiv und hat das erste Mal seit unserer ersten Begegnung aktiv für sein Geld gearbeitet. Sein Job heute: Tour-Guide für einen Freund von mir, der derzeit aus Kanada in Hamburg zu Besuch ist. Da Patrick (so der Name meines Freundes) aufgrund meines Jobs am Nachmittag sonst alleine durch Hamburg geschlendert wäre, haben wir kurzerhand Uwe gebeten, Patrick in Hamburg rumzuführen.

Patrick zahlte Uwe also eine symbolische Spende bzw. einen Salair von 10 Euro und beide marschierten los, zunächst für einen Spaziergang um die Außenalster und später zu einem Besuch von Planten und Bloomen. Was daran so besonders ist? Jetzt kommt’s: Uwe spricht sogar Englisch!

Ich war regelrecht von den Socken, wie gut Uwe Englisch sprach. Ich kann zwar nur wiedergeben, was Pat mir dann am Abend von der gemeinsamen Tour erzählte, aber sicher ist: Patrick hatte jede Menge Spaß und genoß die besondere Führung durch den in Hamburg mehr als ortskundigen Uwe sichtlich. Noch beim Abendessen leuchteten seine Augen, als er von Uwe’s „flotten Sprüchen“ auf Englisch erzählte – und den vielen lustigen Ereignissen, die sich aus der Situationskomik und den teilweise „wörtlichen Übersetzugnen“ oder eigenartigen Wortverwendungen ergaben.

So hatte Planten und Bloomen leider bereits geschlossen, als die beiden den Spaziergang hinter sich gebracht hatten. Uwe suchte kurz nach Worten, um das Problem zu beschreiben, um schließlich einfach zu sagen „Time Out, Game Over!“. Auch fragte Uwe Pat zu seiner ehrlichen Meinung zu seiner Idee des Nachtcafés. Und an Stellen, an denen es Gänse oder Enten zu beobachten gab, hielten beide inne, um einfach die Szenerie zu beobachten und genießen. Lediglich auf Höhe der amerikanischen Botschaft musste Uwe zugeben, dass er diese Gegend nur schwerlich besuchen könne, da er diesen Reichtum der fetten Hamburgerr Villen dort kaum greifen bzw. begreifen kann, gerade im Kontrast zu seinem eigenen Leben.

Was mich hieran immer wieder freut: Uwe ist und bleibt selbst kritisch und reflektiert – und stürzt sich eben nicht voller „Scheuklappen-Enthusiasmus“ in das Projekt, ohne auch nach rechts und links zu schauen. Er hinterfragt, fragt, diskutiert und bleibt aktiv. Patrick’s Resumee als Außenstehender nach diesem Tag war jedenfalls eindeutig: Uwe war ein toller Tourguide und ist ein heller Kopf mit vielen Ideen – er braucht einfach nur Unterstützung, eine Chance, Zuspruch und Freunde, die ihn für voll nehmen, ihn auf Augenhöhe ernst nehmen und mit ihm Zeit verbringen. So wie heute geschehen.

Auch ich habe heute mein Fett wegbekommen: Kurz nach dem Treffen mit Hinz und Kunzt wollte ich mich von Uwe verabschieden – und deutete noch einmal darauf hin, dass ich mal wieder was für meine Abschlussarbeit schreiben müsse. Uwe daraufhin: „Ole, wenn du deine Arbeit nicht schreibst meinetwegen, werde ich echt sauer! Ganz ehrlich, wenn du das nicht machst und vernünftig machst, dann schmeiß ich auch hin, das versprech ich dir!“
Kurzum: Uwe stellt mir inzwischen klare Bedingungen🙂 Ich konnte dem nur entgegnen, dass selbiges auch für mich gilt und Uwe natürlich auch mitarbeiten und etwas aus dieser Chance zu machen versuchen muss – und zwar ernsthaft und nachhaltig. Uwe weiß dies – und sagte zum Abschied ganz trocken: „Dann haben wir einen klaren Deal. Wir müssen beide aufeinander aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln. Aber gemeinsam schaffen wir das!“.

So sehe ich das auch, lieber Uwe. Und an Euch, liebe Spender: Wir schaffen es, gemeinsam, mit Euch. Und nur mit Euch. Wir halten Euch weiter auf dem Laufenden. Die nächsten Schritte der nächsten Woche beinhalten unter anderem das erste Treffen mit einem Existenzgründungsberater. Weiterhin werde ich in Enger Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiter der Hinz und Kunzt für Uwe einen Plan ausarbeiten, wie er selbst möglichst bald körperlich gesunden und fitter werden kann. Dazu gehört eine kontinuierliche Drogenberatung ebenso wie eine mögliche vollständige Entgiftung, aber auch eine Wohnung in geeignetem Umfang…

Uwe tut bereits einiges dafür und setzt jeden Tag weitere kleine Schritte in Bewegung. Heutige Anschaffung von den Spendengeldern war z.B. ein Maniküre-Set, um beim Vorsprechen vor Vermietern und Ämtern einen besseren Eindruck zu machen. Und siehe da: Auch im Empfangs-Raum von Hinz und Kunzt kamen schon die ersten positiven Reaktionen: „Sag mal, den Uwe, den kenn ich doch. Was ist denn aus dem geworden? Der sieht ja viel besser aus und stinkt kaum noch. Wenn ich da an früher denke…“ So in etwa der O-Ton von heute gegenüber Sozialarbeiter Stefan.

Also, liebe Leser… vielen Dank für alles…wir bleiben dran.. und Ihr hoffentlich auch😉

Spenden könnt Ihr ab sofort über www.aktion-uwe.de – dank Helpedia.de!

Euer Ole alias SocialBlogger

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Ein spannender Tag: Wir gehen es an!

  1. Sonneja

    Wow!!! Das hört sich echt super an, dass Uwe selber so viel Einsatz zeigt!!!!!!

    Pass nur ein bisschen auf, dass Dich die ganze Aktion nicht zu sehr „mitnimmt“, Ole. Ohne ehrlich gemeinten und beherzten Einsatz funktioniert so ein Projekt natürlich nicht. Aber es ist sicherlich noch ein weiter Weg und es wird nicht immer ganz einfach werden. Auf der anderen Seite sind wir ja alle nur Menschen und ich stelle mir vor, dass es kaum möglich ist, so eine Aktion durchzuführen, ohne sich so hinein zu stürzen.. ganz oder gar nciht hießt das wohl.
    Aber Du bist ja nicht allein. Ich finde es gut, dass Ihr Kontakt zu Menschen gesucht und gefunden habt, die sich professionell mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigen und dass Ihr Euch Rat holt!
    Es ist also noch ein weiter Weg, aber wenn man jeden tag einen Schritt geht, kommt man sicher ans Ziel. Auf dem Weg dahin lernt man viel!
    Ich hoffe, dass Dir bei all Deinem Einsatz auch wirklich die Zeit bleibt, das neu Gelernte (Wow!) einigermaßen zu verdauen. Und werd ja nicht krank!

    Liebste Grüße!

  2. Ano Nym

    Du solltest so langsam mal von Uwe Provision verlangen, du viel Zeit wie du hier investierst😉

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