Der Long Tail des Lebens: Warum Netzwerken Spaß macht.

Long Tail. Langer Schwanz. Klingt einfach. Isses auch. Und vor allem handelt es sich dabei um eines von ca. 1000 Buzzwörtern, die vor allem im Zusammenhang mit Web 2.0, Social Web, Social Media und Social Commerce genannt werden. Social also? Social. Ja.

Meine Freundin und Weltretter-Mitstreiterin Anna-Lena fragte neulich ganz zu recht in die Runde: Sagt mal, Jungs: Was soll das eigentlich, dieses „social“? Was ist damit gemeint, was daran ist denn sozial?
Antwort. Zu simpel, erschrecken und doch glänzend durch schlichte Schönheit. Das System kennt – wieder einmal – keine Moral. Es bist am Ende du, lieber User, du hast die Wahl. Worum geht’s also jetzt beim langen Schwanz? Es geht um die Vielzahl der kleinen. Die Vielzahl der User im Netz, die Masse derer, die durch kleine Aktionen die große Unterschiede machen. Die Menge derer, die durch viele kleine Schritte gemeinsam 1000 Mal die Welt umrunden können. Wenn sie nur bereit sind, den Staffelstab weiterzugeben, nicht versuchen, alles alleine zu schaffen.

Unfuck the World!

Unfuck the World!

Auch im Social Web gilt jedoch, was für andere Medien, für uns Menschen im Allgemeinen gilt.
Soziologie Lektion 1 lehrte uns: Systeme sind indifferent. Es gilt auch als soziale Interaktion, jemanden zu erschlagen. Denn es ist eine auf andere Menschen bezogene Handlung. Von Mord bis zum Poken bei Facebook ist also alles drin, alles sozial. Dem Web ist es letztlich egal, ob wir mit dieser technischen Infrastruktur die Welt zum Besseren ändern oder Klingeltöne verkaufen.

Die Lösung, liebe Leute, liegt bei uns. Keinem sonst. Was sozial ist, das entscheiden wir. Es ist letztlich eine philosophishe Frage. Denn normative Antworten müssen menschliche Entscheidungen vorausgehen. Tiere brauchen das nicht. Eine Ameise ist entweder glücklich oder tod. Oder habt Ihr schonmal eine depressive Ameise gesehen? Nein? Eben.

Daniel und ich entschlossen deshalb dieses Wochenende feierlich: Markt & Moral, Social Web und Soziales Handeln (und zwar im normativ moralisch korrekten Sinne), Schlafen und Arbeiten, Leben und Lieben – all das darf kein Widerspruch mehr sein. Und muss es auch nicht.

Fangen wir an bei den Klingentönen: Wie wäre es, wenn dir dein afrikanischer Pate einen Klingenton aufsingt mit beatiger Busch-Mukke und du im Gegenzug seinen Lebensstandard von 1 Dollar am Tag auf 2 Dollar am Tag hebst? Wie wäre es, wenn es eine Soap-TV-Serien-Steuer gegen die Verdummungsgefahr gäbe, die gleichermaßen als Spenden in die dritte Welt fließt? Gute Zeiten, schlechte Zeiten? Erste Welt, dritte Welt?

Uwe an der Alster

Uwe an der Alster

Der Ideenaustausch am vergangenen Wochenende jedenfalls sucht seinesgleichen. Es floss. Wein, Weib, Gesang, Karaoke im FC Magnet, Filzstifttinte, Schneeflockenschmelze und Ingwertee. Schöner kann ein Wochenende nicht sein. Und doch ist da diese Intensität, die gefühlt hinterm oberen linken Brustkorbbereich alles bedeuten kann zwischen stechendem Serotonin und schmerzendem Fernweh nach Fremdanreicherung des eigenen Horizonts.
Setze zwei sensible Menschen zusammen und beide durchschauen einander. Fast so, als würde man einen Flughafenscanner durch einen anderen hindurchschieben. Welcher fiept dann zu erst?

So, genug geschwafelt für heute. Und ja, bevor einer fragt: dieser Blogeintrag ist bewusst undurchsichtig gehalten. Es gibt da nämlich was, was noch in Gründung ist. Etwas, was Ihr noch nicht wissen müsst. Aber bald.

Und Uwe? Uwe? Was ist mit Uwe? Gleich nach meiner Rückkehr aus Berlin habe ich ihn getroffen… und es geht ihm gut… richtig gut sogar..und er hat sich wieder einmal gekümmert um den nächsten Schritt:
Ab Donnerstag schläft Uwe nun endlich im Pik-Ass. Seine Unterkunft kostet dann keine 12 Euro mehr die Nacht, sondern nur noch 1,80 Euro. Und wer übernimmt das? Nicht mehr die Spendengelder, sondern die Stadt bzw. der Staat – für’s erste. Und bis das Winternotprogramm vorbei ist und Uwe dort nicht mehr schlafen kann, wird noch eine Menge passieren und wir gemeinsam für ihn hoffentlich bald eine feste Wohnung finden.

Donnerstag geht es weiter…denn da kommt das Fernsehen (Sender wird noch verraten) und dreht mit Uwe eine erste Reportage. Hoffentlich genügt die Aufmerksamkeit dann für ihn. Euch lässt er jedenfalls herzlich grüßen..und anbei noch ein Foto für Euch, von Uwe’s Spaziergang mit Patrick um die Alster (sie letzten Post…).

Ich danke Euch für alles! Spenden bitte über www.aktion-uwe.de

Euer Ole @ SocialBlogger

4 Kommentare

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4 Antworten zu “Der Long Tail des Lebens: Warum Netzwerken Spaß macht.

  1. Tom

    Wie wäre es denn statt der soziologischen mit einer politologisch orientierten „sozial“-Definition?

    Dann würde nämlich nicht die wertfreie Interaktion zwischen Menschen, sondern das auf die FÖRDERUNG der Gemeinschaft bzw. des Gemeinwohls gerichtete Handeln als sozial bezeichnet werden. Was Gemeinwohl ist ergibt sich aus dem „Parallelogramm der Kräfte“ (Lehmbruch), also dem ständigen Wettstreit der Interessen in einem Gemeinwesen. In Deutschland ist das in der neulich erst geänderten Abgabenordnung sogar kodiert – die regelt, wann etwas gemeinwohlorientiert gilt.

    Und schwups – wird es auf einmal sehr viel greifbarer.

  2. Lieber Tom,

    guter Punkt… ich finde allerdings den Begriff des „Gemeinwohls“ nachwievor sehr schwer greifbar. Du kennst vermutlich auch die Versuche der Ökonomie, im Hinblick auf „Verteilungsgerechtigkeit“, „Wohlstandssteigerung“ usw. feste Größen zu finden, z.B. im Rahmen der Happiness Forschung. diese Versuche scheitern stets. Das, was hinten rauskommt, wenn Interessen sich im Widerstreit befinden, trifft es wohl am ehesten, ja…

    Allerdings: Wenn das darunter liegende Austauschprogramm so organisiert wäre, dass es nicht einzelne in macht-verzerrten Diskursen und ungleichen Handelsprozessen nach oben befördert und so den Gini-Koeffizienten in die Höhe treibt, sondern für einen Ausgleich dieser Prozesse sorgt, könnte das Gemeinwohl (gemessen am Wohl des einzelnen) möglicherweise deutlich gesteigert werden. Damit meine ich keine erzwungene Gleichschaltung und Umverteilung, sondern eine Systemlogik, die auf der Idee basiert, dass im Netzwerk jeder seinen Gegenpart findet und jeder durch sein Handeln letztlich dazu beiträgt, dass er für sich und andere gleichermaßen sorgt…

    Manche sagen: Wenn jeder nur vor seinem eigenen Haus kehrt, ist für alle gesorgt. Ich meine: Wenn jeder vor dem Haus etlicher anderer kehrt, ist für alle gesorgt – und man erhält neben dem sauberen Hauseingang auch noch Freundschaft, Verbundenheit und Geborgenheit gratis dazu. Klingt abstrakt, ist es auch – und bedarf weiterer Ausarbeitung en detail. Das wird folgen🙂

    Danke jedenfalls für deine Anregung..werde mir mal deine Page ansehen🙂
    LG
    Ole

  3. … “Parallelogramm der Kräfte” bitte erklären! Ole? Tom? Bis jetzt war für mich das Gemeinwohl das was unser Überleben in der Gemeinschaft sichert. Nicht etwas, das sich unmittelbar auf den einzelnen bezieht (zumindest nicht in diesem Sinne). Der „Verfassungspatriotismus“ Habermas oder die Menschenrechte im Sinne des kategorischer Imperativ Kants als Grundlage menschlichen Handelns in der Gesellschaft; das waren für micht bis jetzt Indikatoren einer Gemeinwohlorientierung. Würd‘ mich freuen, könntet ihr das näher ausbreiten und mir vielleicht einen Trackback schicken… Oder ’ne Mail😉
    foulder

  4. Christina

    Hallo,
    folgende Einrichtungen könnten Euch bei der Wohnungssuche evtl. untersützen:
    Beratungsstelle Brauhausstieg in Wandsbek oder das Bodelschwingh-Haus.

    Beide Stellen unterstützen, beraten und begleiten Menschen, die in ähnlichen Lebenslagen wie Uwe sind.

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