Ein bewegender Tag: Uwe auf Spiegel Online

dsc_3350Tja, wo fange ich an? Was soll ich noch sagen? Um ehrlich zu sein: Euer Feedback hat mir an diesem Tag schlichtweg die Sprache verschlagen – und nicht nur mir, nein, auch Uwe.

Der Tag ging bereits gut los: Mit einem stressigen, intensiven, aber auch sehr guten Fernsehdreh – in Kürze werde ich genaueres berichten, wenn ich weiß, wann gesendet wird… Los ging es heute bereits um halb neun, gedreht wurde bis fast 16 Uhr nachmittags.

Uwe und ich durften unsere Geschichte gemeinsam nochmal aus verschiedenen Blickwinkeln wiedergeben – aber: Es gab auch sehr wichtige, neue Schritte an diesem Tag.

Unter anderem hat Uwe auf dem zuständigen Amt in der „Kurt-Schuhmacher-Allee“ seinen Dringlichkeitsschein beantragt und sofort ausgestellt bekommen. Damit kann Uwe nun sehr viel leichter an eine Sozial-Wohnung kommen, als dies zuvor möglich war. Wer von Euch (z.B. Studenten) den §5-Schein noch kennen sollte: Der Dringlichkeitsschein von Uwe liegt jetzt noch zwei Stufen darüber. Na mal sehen, ich hoffe, es hilft! Jedenfalls hat uns der durchaus sehr nette Herr von der Behörte zugesagt, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird, um Uwe schnell in Wohnraum zu vermitteln.

Eine Lösung in diesem Rahmen wäre z.B., dass Uwe zunächst in eine Art „Übergangslösung“ zieht. Dort wird dann Uwe nicht direkt in den Mietvertrag eingetragen, sondern erst nach knapp einem Jahr, wenn alles gut gegangen ist. Während diesen Jahres wird Uwe ca. einmal pro Woche oder einmal alle zwei Wochen besucht. So hat Uwe weiterhin einen Ansprechpartner. Wir werden sehen, welchen Weg Uwe nun einschlägt bzw. welche Möglichkeiten sich nun auch tatsächlich eröffnen.

Bezeichnend war, dass trotz Fernsehen im Hintergrund der Berater der Behörde tatsächlich selbst zugeben musste, dass es einfach schlicht viel zu wenig Wohnraum in Hamburg für bedürftige Menschen wie Uwe gibt. Ergebnis: Selbst die wenigen, die sich aufraffen, um diesen Schritt zur Beantragung des Scheines zu schaffen, warten unter Umständen noch einmal ein halbes Jahr oder länger, bis sie dann tatsächlich vermittelt werden.. oder auch nicht. Denn letztlich hängt es vom Vermieter ab. Und Uwe fällt in Behördensprache wohl bereits unter „schwer vermittelbar“. Das alles hat mir schon deutlich zu denken gegeben. Allerdings sind wir dennoch beide froh, dass zumindest dieser Schritt nun hinter Uwe liegt. Nun heißt es: Daumen drücken.

Nach einer Mittagspause ohne Filmcrew und mich hat Uwe dann einen Existenzgründungs-Berater getroffen: Meinen Freund Florian.

Florian arbeitet bei einer Existenzgründungs-Coching-Organisation, die sich unter anderem auch speziell um ALG II Empfänger kümmert, die versuchen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Wir trafen uns – die Umstände machten es nicht anders möglich – im Maritim Hotel am Hauptbahnhof. Hierbei muss ich erwähnen: Uns war ein Raum für diesen Termin „weggebrochen“ und so musste ich einen Tag vorher (Mittwoch) noch schnell einen passenden Ort für ein erstes Gespräch finden.

Der Chef vom Maritim Hotel am Bahnhof war dann glücklicherweise so hilfsbereit, uns spontan einen „Business-Raum“ bereit zu stellen. Das mag zwar jetzt sehr nach „überpompös“ und „CSR-Maßnahme“ klingen, aber ganz ehrlich: Der gute Mann war reichlich überrascht, als ich ihn einfach fragte, ob wir in seinem 5-Sterne-Laden Uwe filmen dürfen🙂 Insofern bin ich tatsächlich dankbar, dass er so spontan geholfen hat, denn das hatte ich hier am wenigsten erwartet. Und auch das Personal war dann heute beim Dreh sehr spontan und hilfsbereit, wenngleich der Kontrast zwischen luxoriöser Einrichtung und Uwe’s Bekleidung sich dennoch kaum übersehen lies. Aber das macht ja auch gar nichts weiter – Uwe selbst jedenfalls trug diese neue Situation und Umgebung mit Fassung und konzentrierte sich auf das Gespräch mit Florian.

Auch dieses Gespräch lief – meines Erachtens – sogar besser als erwartet. Uwe notierte eifrig die Tipps und Hilfestellungen von Florian in seinem neuen Notizbuch und konnte recht schnell selbst die Zusammenhänge der „Businessplanung“ verstehen. Bei einem Anruf am Abend jedenfalls gab mir Florian das Feedback: Uwe ist weit mehr zuzutrauen, als man auf den ersten Blick denken mag.

Den Beleg dafür musste ich dann ausgerechnet beim gemeinsamen Dönerteller heute abend am eigenen Leibe erfahren🙂 Uwe und ich planten gerade gemeinsam, wie wir die nächsten Tage mit den Spenden bzw. seinem „Taschengeld“ umgehen, damit es sinnvoll aufgeteilt ist, da erforderte die Situation die Substraktion zweier Zahlen, nämlich des Geldes, das Uwe von mir ausgezahlt bekommen sollte von jenem, dass er als Guthaben noch hat.

Mir fiel auf, dass ich das schriftliche Subtrahieren komplett verlernt hatte… Uwe hingegen brauchte wenige Sekunden und voilà: Das Ergebnis stand dort. Gastro-Erfahrung eben. Uwe musste nur schmunzeln – und konnte sich den Kommentar nicht verkneifen: „Siehste, du kannst auch noch jede Menge von mir lernen, Ole“🙂
Recht hat er.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen, da war doch noch was:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,609662,00.html

Ich glaube, das muss ich nicht weiter kommentieren… nur so viel: Uwe konnte die Zahl der Besucher auf „seiner“ Seite kaum fassen und malte sich eine eigene „Aktienkurve“ der Aktion Uwe in sein Heft: Heute gab es rund 5000 Besucher auf Aktion Uwe, dank Spiegel Online. Uwe weiß, dass es nicht ewig so weiter gehen kann und auch nicht wird. Aber er ist derzeit wirklich in guter Verfassung…. und er kümmert sich, jeden Tag. Er macht Schritte, mal größer, mal kleiner. Mal zwei vor, dann einen zurück.

Und das ist gut so.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Aktion Uwe, Obdachlosigkeit, Social Web

5 Antworten zu “Ein bewegender Tag: Uwe auf Spiegel Online

  1. Tolle Sache. Ich freu‘ mich richtig von Anfang an „dabei“ gewesen zu sein und wünsche dir und Uwe weiterhin noch alles alles Gute. Macht weiter so. Zu Eröffnung Uwes Café komme ich dann auf alle Fälle nach Hamburg😀
    foulder

  2. Über robvegas.de zum Spiegelonline-Artikel und dann zu Dir. Tolle Idee !! Ich werde es verfolgen.

    Gruß Marcel alias Trueman

  3. Pingback: Lübeck Inside

  4. berlinnow

    Schön zu sehen das alles so gut klappt und das Thema jetzt auch ein bisschen mehr in die Medien rückt. Spiegel Online ist da schon ein sehr guter Start. Ich drück euch beiden weiterhin die Daumen das es so gut weiter läuft. Aber ich glaub der Uwe ist stark. der macht das schon!

  5. Katharina

    Hi Ole,

    na gibt es schon Neuigkeiten?

    Ich mache gerade Praktikum und bin so auf sogenannte Tronc-Abgaben gestoßen. das ist ein Teil vom Trinkgeld, was bei black jack etc. gegeben wird, dass zurück geführt wird zur UNterstützung von vereinen, die sozial Arbieten. Bis zu 5000 Euro pro Verein. Ich weiß nicht, ob ihr euer Projekt mittlerweile einem Verein anschließen konntet, aber das wäre auf jedenfall eine Möglichkeit um geld für die Eröffnung des Cafes zu bekommen.

    Ich habe leider im Internet bis jetzt noch nichts darüber gefunden, wie man an die Mittel genau kommt, aber auf der Seite der CDU Hamburg sind auf jedenfall schonmal Presseberichte über die Tronc-Mitte aus dem letzten Jahr und wie die verwendet worde sind, vielleicht hilft das ja weiter.

    Liebe Grüße und immer weiter machen!
    Katharina

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