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Von der Theorie zur Praxis: Uwe’s zweiter Anlauf

Gerade verspüre ich mal wieder ein dringendes Blog-Bedürfnis, denn die vergangenen Tage hatten es an Berichtbarem in sich.

Montag und Dienstag vergangener Woche: Besuch in Freiburg, bei unserem künftigen Agentur-Partner Kultwerk, respektive Jens Vogel und Stefan Vomstein, beides Menschen vom Feinsten, gute Designer und Webgestalter obendrein.

Außerdem: Besuch bei der Caritas, deren neuen Blog „Mitten am Rand“ ich hier wärmstens empfehlen kann und möchte. Der Blog zeigt eindrucksvoll, dass es auch für große und hierarchisch organisierte, traditionsreiche Organisationen abseits der Einzelprojekte à la Uwe durchaus möglich ist, das Social Web im Sinne der eigentlichen, guten Sache zu nutzen.

Mehrere Autoren, die bereits die verschiedensten Schicksalsschläge durchlebt haben oder noch immer damit zu kämpfen haben, berichten auf „Mitten am Rand“ von ihrem Leben „am Rande der Gesellschaft“ – und ihren Erfahrungen mit Sucht, Haft, Obdachlosigkeit oder anderen oft ignorierten oder tabuisierten Themen. Ich kann diese Art der Öffnung durch eine professionelle Organisation nur begrüßen und bewundere das Engagement der einzelnen Sozialarbeiter und der betroffenen Autoren, die sich hier Woche für Woche zusammensetzen, um den Blog mit ihren eigenen Worten und Empfindungen zu füllen. Nachahmung durch andere Organiationen wäre hier durchaus wünschenswert.

Am Freitag dann, nach einem Mini-Intermezzo in Hamburg: Fachtagung an der Fachhochschule Osnabrück. Thema: Non-Profits und Web 2.0 und die beliebte Frage, die ich oben schon zu beantworten glaubte: Wie NPOs das Social Web richtig einsetzen können, für Campaigning, Fundraising & Volunteering (Freiwilligenarbeit).

Schön dabei: Fast alle bislang nur online bekannten Blogger-Kollegen traf ich spätestens hier: Dr. Brigitte Reiser (Nonprofits Vernetzt) , Hannes Jähnert (Volunteering Experte), Christian Kreutz (Wissensmanagement, Entwicklungshilfe & Campaigning) & Ingo Frost (WikiWoods).

Nach zwei Fachvorträgen von Brigitte und Kai Fischer kam dann auch von mir ein kleiner Beitrag zu Aktion-Uwe, der offenbar für 80 Euro neuerliche Spenden gesorgt hat (immerhin) :-). Im Anschluss an die Mittagspause folgte dann gemeinsam mit Daniel und Thomas Stolze von helpedia der gemeinsame Fundraising-Workshop.

Spannend: Zwar hatten wir vermutlich die meisten Teilnehmer zu diesem Thema versammelt, wohl aber auch die kritischsten Fragen – oder soll ich sagen: Zwiegespaltensten Ansichten?

Gemischtes Publikum (incl. @dkomm) in Osnabrück

„Ja, wie kann man denn nun mit Facebook Geld verdienen?“
„Was bringen mir die Follower auf Twitter?“
„Und was kostet das alles?“
„Oh nein, das kostet was?? Das ist ja teuer? Und wie soll ich das machen? Flyer wegwerfen und ab sofort nur noch in’s Netz investieren?“

Leute, so wird das nix. Also, nochmal: Das Internet ist kein Allheilmittel. Das Social Web ist nicht von alleine sozial. Wer es richtig nutzen will, der muss investieren: Zeit, Geld und auch etwas Liebesmüh. Von alleine geht da nix. Das ist ausnahmsweise auch nicht neu, sondern gilt genauso wie bei allen anderen Medienkanälen auch.

Der entscheidende Unterschied ist: Im Netz erreicht Ihr Zielgruppen, die Ihr mit Direktmailings schon lange nicht mehr erreicht – und das um ein vielfaches effektiver. Erstens gibt es Netzwerkeffekte, die Euch einen kostenfreien Zusatznutzen bringen (denn Ihr zahlt ja nix extra, wenn jemand Eure coole Kampagne in seinem Netzwerk verbreitet) und zweitens findet die junge Generation Empfehlungen von Freunden auf Facebook und twitter nunmal glaubwürdiger als den zwanzigsten Spendenbrief zu Weihnachten mit Anschreiben vom Vorstand (und scheinheilig eingescannter Unterschrift).

Soll heißen: Ja, den Fundraising-Erfolg gibt’s auch im Web nicht gratis. Doch wer die zukünftig spendenstarken Generationen nicht verlieren will, muss hier schleunigst Anschluss suchen und finden. Das heißt nicht, dass auf alle alten Medien von heute auf morgen verzichtet werden muss. Wer jedoch unter Rekurs auf mögliche Kosten den Kopf in den Sand steckt, kann sich auch gleich ganz einerden.

Dass die Theorie und das schöne alte Sammeln von Geld alleine übrigens noch keine Probleme löst, musste Uwe vergangene Woche am eigenen Leibe spüren: Seit Wochen wartet er vergeblich auf Rückmeldung von der Saga. Nun kam raus: Die ihm angebotene Wohnung in Billstedt ist leider schon längst anderweitig vermietet. Eine Woche nach Erstgespräch hätte Uwe Rückmeldung erhalten, ansonsten hätte er den ausbleibenden Anruf als Absage deuten müssen, so das offizielle Statement.

Nach ein paar Tagen Wut im Bauch verbuche ich diesen ersten gescheiterten Anlauf in Sachen Wohnung unter Lebenserfahrung und „Missverständnis“. Uwe ist ohnehin kaum noch zu schocken und nimmt es mit Gelassenheit. Neulich erst bekam er vom HVV ein Strafticket für eine fehlende „Bahnsteigkarte“ aufgebrummt: 40 Euro. Warum? Er wollte auf mich warten, war offensichtlich mittellos und damit leichter Fang für die Herren Kontrolleure. Immer druff. Muss man damit leben? Muss man nicht.

Deshalb: Nächster Anlauf. Saga angerufen, Problem besprochen, Lösung gefunden. Nun liegt Uwe ein neues Angebot vor, wieder Billstedt, nur viel schöner. Nämlich mit Balkon. „Willst du mich verwöhnen?“, fragt mich Uwe gestern am Telefon. Ja, Uwe, wer weiß, vielleicht ist das jetzt einfach mal dran. Kann ja auch mal was gut gehen für dich… ich würde es dir wünschen. Wir bleiben jedenfalls dran. Mit Energie, ohne Groll.

Und Anfang/Mitte Juni kommt dann die Entscheidung von „Hamburg Anstiften!“ für Uwe’s Nachtcafé…. drückt Ihr uns die Daumen?…

Euer Ole @ SocialBlogger

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„Aktion Uwe“: Erste Antwort – Danke an alle Helfer!

Liebe Leser, liebe Unterstützer!

Nach bewegten 24 Stunden wird es wohl nun Zeit für ein Update in Sachen Uwe.
Ausgesprochenes Ziel ist es, Uwe langfristig von der Straße zu helfen und, wenn irgendwie machbar, seine Vision eines „Social Business“ von einem Nachtcafé für Obdachlose in die Tat umzusetzen.

Die Idee enstand spontan, gestern abend, auf der Straße. Soweit, so gut. Was daraus nun geworden ist, ist schon jetzt mehr als bemerkenswert und ich kann mich Uwe’s Worten nur anschließen: Ich bin ziemlich (positiv) überrascht. Und gerührt ebenso. Es ist einerseits spannend zu sehen, wer wie spendet und wie hilft. Dabei meine ich gar nicht einmal die Höhe des Betrages, nein, viel wichtiger: Wer schreibt lieber eine eMail, also nicht sichtbar für die Öffentlichkeit – wer kommentiert hier, wer meldet sich über Facebook… wer kommt auf welche Ideen und in welchem Kontext?

Uwe jedenfalls ist hin und weg. Ich habe ihn heute auf meinem Weg zur Uni kurz aufgesucht und ihm Eure Kommentare, sowie einen Anteil des Geldes für die nächste Übernachtung und das erste Set Hinz und Kunzt mitgebracht. Das tollste für Uwe waren tatsächlich Eure Kommentare. Klar, auch das Geld. Aber die persönlichen Nachrichten und die Ermutigung, die aus Euren Kommentaren gesprochen hat, haben ihn fast noch mehr ungläubig sein lassen.

Den ausgedruckten Bogen vor Augen ist er nur ganz hastig darüber hinweg geflogen..und man merkte: Das Lesen ist nach so vielen Jahren auf der Straße ein bißchen eingerostet. Aber die Freude und die Emotionen nicht und nach ein paar Sätzen ging es dann auch wieder ganz flüssig. Noch ist Uwe skeptisch. Er kann es einfach nicht glauben, denn auf der Straße selbst hat er so viel Zuspruch nie erhalten. „Da will dich keiner sehen, da bist du eine Nummer“. Hier bekommt er nun hoffentlich ein Gesicht, einen Namen. Und damit Uwe nun direkt mit Euch kommunizieren kann, gibt es ab sofort kurze Videobotschaften, hier, von heute, sein erstes Feedback an Euch:

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Das Ergebnis, so kann ich nach rund einem Tag sagen, ist auf jeden Fall beeindruckend. Moment, ich zähle kurz…. ratter, ratter…alles in allem hat Uwe’s Aktion nun von 27 Menschen direktes Feedback erhalten! Gespendet wurden insgesamt rund 80 Euro von insgesamt 10 Spendern, die durchschnittliche Spende liegt also bei eindrucksvollen 8 Euro, die höchste bei 20 Euro von einer Dame, die mich noch nicht einmal persönlich kennt. Ich weiß, das klingt hier sehr trocken nach Statistik, aber hat jemand von Euch schonmal einem Obdachlosen auf der Straße spontan 8 Euro in die Hand gedrückt?

Auch sehr wichtig, und sehr toll: Zusätzlich zu den Spenden hat Uwe schon jetzt ca. 5 warme Westen/Pullover und zwei Paar Schuhe zugesagt bekommen, sowie einen Essensgutschein für ein bekanntes Steakhouse im Wert von 15 Euro! Also auch hier wieder: Was für tolle und sogar originelle Sachspenden! Übrigens benötigt er dringend noch Unterwäsche und Socken, sowie eine warme Hose. Wer also z.B. Kontakte zu einem der großen Kleidungswarenhäuser hat oder sonstwie einen Gutschein schicken kann, das wäre ganz toll. Denn Unterwäsche möchte man dann ja doch nicht unbedingt gebraucht weitergeben 🙂

Weiterhin hat sich ein kleines, aber feines Plattenlabel gemeldet und bekundet Interesse an einer Kooperation…wer weiß? Mehr kann ich noch nicht verraten…

Nun geht es bald an die nächsten Schritte. Heute abend war ich beim Neujahrsempfang des Hanse Hub, einer Drehscheibe für sozial orientierte Unternehmer, sprich, so genannte „Social Entrepreneurs“. Wenn Uwe sein Nachtcafé zum Laufen bringen möchte, braucht er mit Sicherheit professionelle Unterstützung, d.h. auch einen Businessplan usw. usf.  Schon an diesem Abend konnte ich einige wertvolle Tipps und wertvolle Kontakte für Uwe sammeln, unter anderem von der Hamburger Tafel. Wer weiß, vielleicht kommt was dabei heraus?…

Bleibt dran, ich bleib’s auch!

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Danke, danke, danke,

Euer Ole alias SocialBlogger

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